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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2017
»Überall schwindet das Vertrauen«
Norbert Lammert über Medien, Demokratie und Kirche
Der Inhalt:

Stell dir vor, die AfD kommt …

von Britta Baas vom 09.06.2017
Gehen dann alle hin? Oder bleiben alle weg? Der Kirchentag hatte eine Christin aus der Partei eingeladen

Eine halbe Stunde vor Beginn des Podiums geht das schmiedeeiserne Tor vor dem Kirchengelände der Sophienkirche zu. Wer hier ankommt, wird von mehreren Dutzend Polizisten aufgehalten. Vom Tor aus können die Wartenden den Spruch über dem Eingang der Kirche entziffern: »Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr Zebaoth! …« Gilt das auch für Christen in der AfD? Für Anette Schultner wird es hier wohl eher ungemütlich. Der Kirchentag hat die Vorsitzende des Bundesverbands Christen in der AfD eingeladen, mit dem Berliner Bischof Markus Dröge und der Publizistin Liane Bednarz zu diskutieren.

Handzettel werden unter den gut dreihundert Wartenden verteilt; man weiß nicht, von wem. Darauf steht: »Stell dir vor, die AfD kommt auf den Kirchentag und keiner geht hin!« Ein Wunsch, dem an diesem Morgen, kurz vor elf Uhr, offenbar niemand Folge leisten möchte. Die Leute schauen immer wieder gebannt auf die Kirche hinter dem Tor: »Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr Zebaoth!«

Dann endlich ist es so weit: Das Tor öffnet sich, die Polizisten schauen in Beutel und Rucksäcke. Eilig gehen die Menschen auf die Kirche zu. Es ist nicht mehr viel Zeit bis zum Beginn der Diskussion.

Drinnen hat sich bereits die Presse platziert. »Alles ebenerdig hier, keine Ahnung, wo wir da mit der Kamera hin sollen«, sagt ein junger Mann genervt zu seinem Kollegen von einem öffentlich-rechtlichen Sender. In den beiden ersten Bankreihen sitzen Leute mit und ohne Fotokameras, auf jeden Fall aber mit Notizblöcken. An Journalistinnen und Journalisten ist kein Mangel.

Darf der Kirchentag einer Vertreterin der AfD ein Podium geben? Heftig war über diese Frage vor dem Großevent in Berlin gestritten worden – auch unter den Programmmachern selbst. Die Skepsis hatte christliche Gründe. Ist eine Partei, die nicht allen Menschen zu allen Zeiten und an allen Orten dieselben Menschenrechte zugesteht, auf einem Kirchentag zu ertragen? Gäbe man einer mit dem Christentum unvereinbaren Politik ein Podium? Aus der Qual der Entscheidung formte der Kirchentag schließlich ein einziges Podium: das in der Sophienkirche.

Ein brillant vorbereiteter Bischof Dröge hat auf die Fragen aller Fragen eine klare Antwort. Er zitiert – etwa zur Halbzeit der Veranstaltung – aus einem AfD-Strategiepapier: »Die Partei darf vor sorgfältig geplanten Provokationen nic

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