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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2017
»Überall schwindet das Vertrauen«
Norbert Lammert über Medien, Demokratie und Kirche
Der Inhalt:

»Der Kumpel kam doch aus Wittenberg«

von Bettina Röder, Katrin Schreiter vom 09.06.2017
Es müssen nicht immer große Zahlen und Promis sein: Kirchentag in der Lutherstadt, wo es fast keine Christen mehr gibt

Tausende Helfer haben im Vorfeld geplant und organisiert, doch manchmal zeigt sich der Kirchentag in der Lutherstadt Wittenberg ganz spontan. Zum Beispiel, wenn es um gute Wünsche für ein glückliches Leben geht. »Viel Glück und viel Segen auf all deinen Wegen«, stimmten die zahlreichen sangesfreudigen Kirchentagsbesucher an, als ein frisch vermähltes Paar aus dem Rathaus kam. Kirchentag in einer säkularen Stadt, in der gerade mal 17 Prozent zur Kirche gehören. Hinter die Kirchenmauern hat er sich wahrlich nicht zurückgezogen. Und so applaudierten die Sängerinnen und Sänger, die sich zum offenen Singen auf dem Marktplatz getroffen hatten, dem Hochzeitspaar – und auch ein wenig sich selbst: »Die Kirchentagslosung, ›Du siehst mich‹ passt eben auf viele Situationen«, meinte Kerstin Langner, die aus Mainz nach Wittenberg gereist war. »Da ist es egal, ob die beiden Vermählten nun christlich sind oder nicht.«

Friedlich, produktiv und sehr sonnig ging es in Wittenberg zu. Bibelarbeit, Gebete und Diskussionen – im Fokus standen zahlreiche Themen, die den Zeitgeist treffen. Und mit ihnen natürlich Martin Luther, der hier vor 500 Jahren seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel veröffentlicht hatte.

Die Hauptrolle spielte der Reformator zum Beispiel in der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt. In der Reihe »Du siehst mich im Rückspiegel« kamen Zeitzeugen zu Wort, die den Wittenberger Kirchentag 1983 zu DDR-Zeiten miterlebt hatten. Lothar Tautz, Landessprecher des »Vereins gegen Vergessen – für Demokratie«, interviewte zum Beispiel Edelbert Richter, einen DDR-Bürgerrechtler, der heute bei den Linken politisch aktiv ist. Der DDR ging es darum, Luther und das sozialistische Leistungsprinzip gedanklich zusammenzubringen. »Jeder nach seinen Fähigkeiten, jeder nach seiner Leistung«, hieß es damals, erinnerte sich Richter. »Luthers Grundbotschaft aber lautet, du wirst als Mensch aufgrund der Liebe anerkannt – unabhängig von der Leistung«, sagte Richter mit Blick auf die erfolgs- und profitorientierte Arbeitswelt von heute. »Da müssten wir Protestanten stärker für die Menschenwürde eintreten.«

Auf dem Marktplatz diskutierten Kirchentagsbesucher unter dem Motto »An einem Tisch« über den Stand der Ökumene im Jahre 2017. Die Kirchentagsbesucher hatten dazu ihre Thesen an eine Tür geheftet, die nun fast demonstrativ mit auf der Bühne stand. Im Zentrum der Vortr

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