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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2017
»Überall schwindet das Vertrauen«
Norbert Lammert über Medien, Demokratie und Kirche
Der Inhalt:

Gott feiern – aber wie?

vom 09.06.2017
Der Kirchentag ist traditionell ein Experimentierfeld für alternative Gottesdienstformen. Ein Streifzug

Als Skandal

Sobald man »Skandal« in die Ankündigung schreibt, ist die Kirche voll. Mission also schon fast gelungen. Nun muss man den Besuchern der Gethsemanekirche (die ja durch die Friedliche Revolution schon eine gewisse skandalöse Aura umweht) auch was bieten. Doch darauf, dass »der Pastor sich nackt an die Kanzel bindet«, wartet man vergebens. Dafür erzählen überwiegend junge Theologinnen und Theologen, wie sie ihre Gottesdienste gestalten. Beispiele, die in den Bann ziehen: Die Poetry-Slam-erfahrene Theologin Christina Brudereck erzählt die Geschichte von Arun, einer Zufallsbekanntschaft, auf eine Weise, dass man versteht, was Kreuz bedeutet. Pfarrerin und Künstlerin Birgit Mattausch zeigt Fotos: Eine Blutspur zieht sich durch die Kirche, vom Kreuz her, wo der gefolterte Mann hängt – verhüllt. »Jemand muss ihm doch mal die Wunden verbinden!« Skandalös wirkte auch eine Fürbitte für vergewaltigte Frauen und Mädchen im Bosnien-Krieg: »Fall den Vergewaltigern in den Arm! Mach sie impotent!« Ist das angemessen? Klares Ja: Eine Fürbitte sei ein Notschrei in der Tradition der Psalmen, kein glattgebügeltes Gesinnungsgebet. Fazit: Der Gottesdienst als Skandal zeigt auf das, was nicht ins Bild passt; er macht Ausgeblendetes sichtbar – ganz im Sinne des Kirchentagsmottos »Du siehst mich«.Anne Strotmann

Bei Datteln und Oliven

Klar und kraftvoll tönt die Stimme des jüdischen Kantors Assaf Levitin am Freitagabend durch die Messehalle. Vor den vollbesetzten Reihen vollzieht Levitin die Schabbat-Zeremonie. Fröhlich klingt das, voller Lebensfreude. Zwei Kerzen werden angezündet, und er singt auf Hebräisch, begrüßt die »Braut«, als die der Schabbat symbolisch willkommen geheißen wird. Die Besucher erheben sich respektvoll. »Hören und Schmecken. Ein Fest der Verschiedenheit«: Juden, Christen und Muslime haben sich gemeinsam auf der Bühne versammelt, um miteinander Mahl zu feiern – zusammen und doch getrennt. Zwischendrin spielen und singen Musikerinnen interreligiöser Ensembles, die Besucher singen mit. Als der Schabbat eingeläutet ist, wird das Abendmahl gefeiert. »Wir möchten Juden und Muslime einladen, mit uns zu feiern«, sagt Pfarrer Axel Matyba. Levitin erklärt: »Wir können Brot und Wein nicht als Leib und Blut Jesu ansehen, aber wir können den Wein segnen, so wie der Jude Jesus es getan hat.« Und der islamische Theologe Kürsat Kaan Baki erläutert,

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