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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2017
»Überall schwindet das Vertrauen«
Norbert Lammert über Medien, Demokratie und Kirche
Der Inhalt:

»Wie ein Kaufhaus«

vom 09.06.2017
Die Kirchentage, was bleibt? Fragen an Friedrich Schorlemmer

Publik-Forum: Der Kirchentag mit seinem Abschluss auf den Wittenberger Elbwiesen, haben Sie gesagt, war ein tiefes Erlebnis. Hat dennoch etwas Entscheidendes gefehlt?

Friedrich Schorlemmer: Man hätte ein anderes Motto finden müssen in dieser beängstigenden Zeit. Etwa: Kehrt um oder zur Freiheit berufen oder sie sollen nicht mehr Kriegen lernen. Vertrauen wagen war das Motto des Kirchentages im Lutherjahr 1983 in der DDR. Das heißt ja auch Selbstvertrauen wagen. Vertrauen auf die anderen, in die Güte Gottes. »Ich sehe dich« reicht da nicht aus: Ich sehe dich, aber ich sehe nicht, worauf das alles hinauswill.

Gab es also zu wenig Konzentration auf eine Herausforderung oder Botschaft?

Schorlemmer: Dieser Kirchentag – besonders in Berlin – war wie ein Kaufhaus mit 17 Etagen, wo du schon bei der zweiten Etage meschugge wirst.

Was meinen Sie damit?

Schorlemmer: Der Kirchentag ist doch ein Ort, wo man die Zeichen der Zeit sieht, sich miteinander auf sie aufmerksam macht. In einer Zeit, in der ein Papst eine Enzyklika veröffentlicht, in der es um die Grundfragen der Zukunft auf diesem Globus geht, hätten wir die weltumspannenden Themen evangelisch und katholisch miteinander diskutieren müssen und nicht, ob wir nun gemeinsam zum Abendmahl gehen oder nicht. Die Frage ist doch vorgestrig. Wie bringen wir die Sorge um das gemeinsame Haus zusammen? Das ist ökumenisch verpasst worden.

Sind Frieden, Gerechtigkeit Schöpfungsbewahrung zu kurz gekommen?

Schorlemmer: Ja, es war nicht erkennbar, wofür wir jetzt vorrangig einstehen. Und Christen müssen jetzt vorrangig dafür einstehen, dass wir alles dafür tun, um den Klimawandel so zu gestalten, dass er nicht zur Klimakatastrophe wird. Oder dass wir die Glocken läuten und zum Himmel schreien, wenn es einen US-Präsidenten gibt, der sagt, wozu haben wir Atomwaffen, wenn wir sie nicht einsetzen. Oder sehen, was passiert in der gnadenlosen Ausbeutung des Globus durch die Reichen.

Wie ist dieses Treffen bei denen angekommen, die nichts mit Kirche zu tun haben?

Schorlemmer: Es gibt Menschen, die werden wir nicht erreichen. Denen reicht das Samstagabend-Programm im Fernsehen. Und es gibt Leute, die kom

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