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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2016
Klare Kante, neue Hoffnung
Der Katholikentag in Leipzig
Der Inhalt:

Klare Kante, neue Hoffnung

von Michael Schrom vom 10.06.2016
Nachdenklich und politisch: Der Katholikentag in Leipzig setzte Maßstäbe – auch wenn Fragen offen bleiben

Manchmal gibt es im Fußball das Phänomen, dass eine Mannschaft vor fremdem Publikum sich mehr zutraut als vor heimischer Kulisse. Für den Katholikentag im säkularisierten Leipzig, wo sich nur zwanzig Prozent der 500 000 Einwohner zum Christentum bekennen und vier Prozent katholisch sind, trifft diese Beobachtung in mehrerer Hinsicht zu. Es war ein atmosphärisch wie thematisch dichtes Treffen – im Fußball würde man sagen: eine geschlossene Mannschaftsleistung – mit klaren Schwerpunkten. Entschieden verteidigt wurden die europäische Idee und eine humane, gastfreundliche Haltung gegenüber Flüchtlingen. Obwohl zum Auftakt etliche Journalisten dem Katholikentreffen vorwarfen, es drücke sich um eine Auseinandersetzung mit der AfD, konnte man das in programmatischer Hinsicht gerade nicht behaupten. Akribisch arbeiteten sich etliche Podien am Parteiprogramm ab. Und auf die Frage, warum keine AfD-Politiker auf der Bühne zu sehen waren, ist mit der Gegenfrage zu antworten: Warum sollte man auf einem Christentreffen jenen eine Bühne bieten, die Angst schüren und Wut verkündigen? Die Nichteinladung war ein klares Zeichen nach außen, das nicht mit Feigheit oder Gesprächsverweigerung gleichzusetzen ist (siehe Seite 30). Interessant auch, dass AfD-Vize Alexander Gauland postwendend die strategische Annäherung an die Kirchen für beendet erklärte. Seine Partei verteidige nicht »das Christentum im religiösen Sinn«, sondern kämpfe für »das von den Vätern Ererbte«, erklärte er. Das Christentum sei dafür »nur eine Metapher«. Manchmal schafft eine »klare Kante« eben auch Klarheit – auf beiden Seiten.

Ein Katholikentag, den man mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung vergleichen kann, erweckt Argwohn. Von einem erwartbaren katholischen Selbstgespräch war die Rede, von einer Harmoniefalle bei der Auswahl der Diskutanten und davon, dass man sich der Verunsicherung nicht aussetzen wolle, nach dem Motto: »Da gucken wir jetzt aber nicht hin.« Natürlich hätte der streitbare und kritische muslimische Theologe Ednan Aslan dem harmonischen Islam-Podium gutgetan. Aber wenn er kurzfristig absagt, ist dies nicht die Schuld der Veranstalter. Bei innerkichlichen Streitfragen muss man feststellen, dass etliche Forderungen »von unten« in der Mitte des Gottesvolkes angekommen sind und daher nicht mehr so schroff und ausgrenzend diskutiert werden. Etwa der Diakonat der Frau. Oder das Reizthema Sexualität: Wer einer sexuellen Minderheit angehört, mus

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