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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2012
Die Zeit des Gehorsams läuft ab
Nach dem Katholikentag
Der Inhalt:

Kampf um die grüne Lunge

von Thomas Seiterich vom 05.06.2012
Bischof Erwin Kräutler und der gewaltfreie Widerstand in Amazonien. Fragen an den Filmemacher Martin Keßler

Herr Keßler, in Ihrem neuen Film dokumentieren Sie den Kampf von Bischof Erwin Kräutler, von Pfarrgemeinden, Indiovölkern, Frauen und Umweltaktivisten gegen das derzeit größte Industrieprojekt Amazoniens, den Staudamm Belo Monte. Bei uns gilt Strom aus Wasserkraft als ökologisch durchaus korrekt. Und in Amazonien?

Martin Keßler: Wasserkraftwerke zerstören in Amazonien Natur und Umwelt extrem, denn infolge des äußerst niedrigen Gefälles werden durch die Stauwerke riesige Flächen überflutet. Der geplante Stausee Belo Monte wird rund 600 Quadratkilometer groß – größer als der Bodensee. Die Bäume und Pflanzen im Stausee verfaulen und setzen über Jahre hinweg Riesenmengen an klimafeindlichem Methangas frei. Der Rio Xingú stirbt. Die Lebensräume der Ribeirinhos, also der Flussbauern, Indiovölker und der armen Bevölkerung in Erwin Kräutlers Bischofsstadt Altamira werden geflutet. Sie versinken im Stausee. Der Strom von Belo Monte schließlich dient nicht den Anwohnern und ihrer Entwicklung. Er wandert über Ferntrassen an die Küste. Dort wird damit das Bauxit aus Amazonien äußerst energiefressend zu Aluminium verhüttet. Brasiliens Wirtschaftskraft überholte 2011 Großbritannien. Nun will Brasilien auf dem Alu-Weltmarkt ganz vorne mitspielen.

Hiesige Firmen wie Daimler Benz, die über 500 Lkws für Erdarbeiten in Belo Monte lieferten, oder die Turbinenbauer Voith Hydro in Heidenheim und Andritz AG in Graz sind stark beteiligt.

Keßler: Es ist auffällig, dass zum Beispiel Voith Hydro sowie das brasilianische Betreiberkonsortium von Belo Monte nicht bereit waren, für den neuen Film »Countdown am Xingú II« Interviews zu geben. Bei meinen früheren Filmen zum Thema konnten wir noch Präsident Lula und seinen Planungsminister interviewen. Voith Hydro teilte ganz lapidar mit, Brasilien sei eine Demokratie, und der Entscheid zum Bau von Belo Monte, den die Staatspräsidentin und frühere Energieministerin Dilma Rousseff persönlich vorantreibt, sei ganz legal. Dabei ist völlig klar – das belegt auch unser Film –, dass bestehende Gesetze gebrochen und die Betroffenen nicht gehört werden. Da stellt sich die Frage: Weshalb nimmt eine Weltfirma wie Voith – die sich ihrer Selbstdarstellung nach sozial und umweltsensibel gibt – nicht ausführlichen Kontakt mit der Zivilgesellschaft vor Ort in Amazonien auf, vor dem Engagement in H

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