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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2012
Die Zeit des Gehorsams läuft ab
Nach dem Katholikentag
Der Inhalt:

Flucht in die Arche

von Britta Baas vom 05.06.2012
Warum es den politischen Katholizismus früherer Jahre heute nicht mehr gibt

Weiß Gott, der Warner und Mahner sind viele in Mannheim: Der katholischen Kirche drohe das Wahrnehmungs-Aus in Politik und Gesellschaft. Sie gebe sich, findet der Pastoraltheologe Matthias Sellmann, dem »Kulturpessimismus« hin. Sie neige zur »Weltflucht«, meint die Präses der Evangelischen Kirche in Deutschland, Katrin Göring-Eckardt. Sie mache sich »zu einer abgeschlossenen Arche«, wütet die katholische Sozialdemokratin Andrea Nahles. Ja, gibt es denn so gar nichts Positives zu sagen?

Doch. Für das Positive ist Katholiken-Präsident Alois Glück zuständig. Wo immer er in Mannheim auftaucht, macht er klar: Millionen von Katholiken können millionenfach die Welt verändern. Sie sind eine Macht gegen das »Weiter-so« ethikvergessener Macher und Bürokraten. Und, tatsächlich: Viele Katholikinnen und Katholiken handeln; sie kämpfen gegen die Umweltzerstörung, für Menschenrechte und für eine gerechte Arbeitswelt.

Doch das Bild des Herrn Glück von einer großen und einigen Bewegung stimmt trotzdem nicht: »Den« politischen Katholizismus gibt es nicht mehr. Er ist innerlich so angegriffen, dass ihm Flucht der einzige Ausweg scheint: Er hat sich in seine kirchliche Arche zurückgezogen und schippert nun ohne Kompass durch das Meer der Meinungen.

1848, zu Zeiten der Gründung des Katholikentages, waren die Katholiken noch eine wichtige Größe in der Gesellschaft. Mehrheitlich Gegner des absolutistischen Staates, kämpften sie für die innere und äußere Freiheit – und standen in Deutschland doch über Jahrzehnte für einen politischen Ausgleich zwischen Monarchisten und Arbeiterschaft. Der Sozialkatholizismus hat hier seine Wurzeln. Über die schwierige Bismarck-Ära retteten sich die Katholiken mit einer Mischung aus innerer Emigration und Kampfgeist hinweg. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden sie mit dem Zentrum zur vitalen Kraft der Weimarer Republik und verhielten sich gegenüber dem Nationalsozialismus später vielfach zwar nicht widerständig, aber wenigstens nonkonform. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges gelang dem politischen Katholizismus die Integration in eine überkonfessionelle Partei: die Christlich Demokratische Union (CDU). »Christliche Ethik« prägte fortan über Jahrzehnte den politischen Streit.

Und heute? Warum gibt es »den« politischen Katholizismus nicht mehr? Zwei Gründ

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