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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2012
Die Zeit des Gehorsams läuft ab
Nach dem Katholikentag
Der Inhalt:

Der Gott des Oscar Romero

von Peter Otten vom 05.06.2012
Welche Gottesbilder bewegen die Christen? Auch diese Debatte wurde in Mannheim geführt – mit inspirierenden Anstößen

Wenn Ökumene unter anderem auch bedeutet, dass sich die Konfessionen gegenseitig inspirieren, dann kann man es einen Glücksfall nennen, dass die Tage auf einem Katholikentag seit einigen Jahren ähnlich wie bei den Evangelischen Kirchentagen mit Bibelarbeiten beginnen. Katholiken haben vom souveränen Umgang gelernt, den Protestanten mit der Heiligen Schrift pflegen und den sie zunächst jedermann zutrauen.

So widmet sich Hanns-Josef Ortheil der Geschichte vom aussichtslosen Fischfang aus der Perspektive eines Schriftstellers, der nichts anderes will als erzählen. Er ermuntert dazu, biblische Geschichten einmal als Erzähltexte zu betrachten und nicht immer gleich als Matrix zur Unterweisung christlicher Glaubenssätze. »Weil das aber meist so ist, ähneln sich die Predigten so und ermüden«, sagt Ortheil. »Die Prediger legen die Texte nicht interessant aus, sondern setzen sie in Bezug zu den immer gleichen Glaubensinhalten. Am Ende geht es stets darum, dass Christus der Sohn Gottes ist und wir uns auf den Weg machen sollen.«

Hin und wieder ist in Mannheim tatsächlich zu spüren, dass sich Katholikinnen und Katholiken nicht mehr mit dem zufrieden geben, was sie von Kirchenoberen vorgesetzt bekommen – weil sie den Eindruck haben, dass deren Bilder nicht ihre eigenen sind. Als der Berliner Kardinal Rainer Woelki beispielsweise gefragt wird, ob es in der katholischen Kirche nicht eine Art von 9. November geben müsse, also einen Tag, an dem Mauern endlich einstürzen, antwortet Woelki blumig, es gehe erst einmal darum, dass die Mauern im Herzen jedes Einzelnen fallen, die von Christus trennen.

Diese Antwort bringt Daniel Dickopf, Sänger der Kölner A-Capella-Gruppe Wise Guys, in Rage. Derlei Floskeln höre man insbesondere von Bischöfen allzu oft. Versuche, die Krise der Kirche als eine Glaubenskrise darzustellen, die mit Strukturveränderungen nichts zu tun habe, nennt Dickopf »arrogant«. Man schiebe den Schwarzen Peter einfach den Gläubigen zu. Das könne nicht mehr lange gut gehen, sagt der Sänger unter tosendem Applaus.

Wer also von der Kirchenleitung in Glaubensdingen nicht mehr viel erwartet, muss sich selber fit machen. Dieses Bemühen ist auf dem Katholikentag zu beobachten. Im Biblisch-Geistlichen Zentrum ist viel los, insbesondere bei Vorträgen und Diskussionen üb

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