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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2012
Die Zeit des Gehorsams läuft ab
Nach dem Katholikentag
Der Inhalt:

Die Mütter Mannheims

von Eva-Maria Lerch vom 05.06.2012
Die katholischen Frauen jenseits der fünfzig wollen sich nicht mehr einfach unterordnen. »Hartnäckig« fordern sie Diakoninnen – und andere Reformen

Sie steht im Eingang des Zeltes, trägt eine knallrote Latzhose, stemmt eine Hand in die Hüfte und ruft: »Wir haben die Hosen an! Wir wollen etwas Neues wagen! Wir sind nicht immer nur lieb und nett!« Etwas verunsichert schauen die Besucher auf das große weiße Zelt am Mannheimer Marktplatz: Tatsächlich, dies ist der Stand der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd). Die Frau in der roten Latzhose heißt Monika Bohn. Sie ist die Vorsitzende des kfd-Diözesanverbandes Freiburg. Drinnen im Zelt wimmeln weitere Frauen in roten Hosen, sie tragen Buttons mit der Aufschrift »laut«, »klug«, »stark« oder »hartnäckig«. In einer Ecke wird aus symbolischen Ziegeln eine neue Kirche gebaut, jede Besucherin kann einen Stein mit ihren Stärken hinzufügen. Am Stehtisch werden Unterschriften für eine bessere Rente für ältere Mütter gesammelt.

Monika Bohn berichtet von der Beteiligung ihres Verbandes am Equal Pay Day, einer Initiative für geschlechtergerechte Löhne. Und auf einem Flipchart werden Hoffnungen für den Dialogprozess in der katholischen Kirche formuliert: »Dass es endlich Diakoninnen gibt«, schreibt eine Besucherin. Und eine andere: »Dass der Altherrenverein endlich mal Macht abgibt.« Die Frauenbewegung – das wird spätestens in diesem Zelt auf der Kirchenmeile deutlich – ist in der Mitte der katholischen Kirche angekommen. Ausgerechnet die traditionsreiche Katholische Frauengemeinschaft, in der über 600 000 Katholikinnen vor allem aus ländlichen Gemeinden organisiert sind und deren Mitgliederzeitschrift bis heute Frau und Mutter heißt, revoltiert hier gegen die Benachteiligung der Frauen.

»Ich erlebe unsere Frauen zunehmend mutig und durchsetzungsstark«, sagt die Bundesvorsitzende Maria Theresia Opladen, die nur mit Mühe gegen den Geräuschpegel im Zelt ankommt. »Sie engagieren sich politisch – von der Rentenpolitik bis zum Klimaschutz. Sie lassen sich nicht mehr in die dienende Rolle zurückdrängen.«

Überall in Mannheim wird der Ausschluss katholischer Frauen von kirchlichen Ämtern als Skandal angeprangert. Und sosehr sie es auch versuchen, es gelingt den Bischöfen nicht, das Thema unter dem Deckel zu halten. »Katholische Frauen erfahren sich zunehmend als Bürgerinnen zweier Welten«, beschreibt Margit Eckholt die Lage. Die Osnabrücker Theologin spricht im Kongresszentrum zum Thema

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