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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2012
Die Zeit des Gehorsams läuft ab
Nach dem Katholikentag
Der Inhalt:

Und das Fernsehballett?

von Peter Otten vom 05.06.2012
Eine Gala fürs Zweite Vatikanische Konzil: Bei der Feier des umstrittenen Geburtstagskindes war die Stimmung fad

Die Planung und Ausrichtung der Geburtstagsfeier des eigenen Kindes ist gelegentlich mit Stress verbunden. Niemand will beim Nachwuchs das Bild von Langweilern oder Geizhälsen hinterlassen, sondern im Gegenteil das eines souveränen Regisseurs kindlicher Sehnsüchte. Da reichen Partyhüte und Bockwürstchen längst nicht mehr.

Knifflig wird es auch, wenn der Jubilar gar nicht erscheint. Die ARD stand vor fünf Jahren vor dem Problem, als sie dem damals für sie arbeitenden Entertainer Harald Schmidt zum fünfzigsten eine Geburtstagsgala ausrichten wollte, Schmidt sich aber weigerte, an dieser teilzunehmen. Die ARD griff zu folgendem Kniff: Man produzierte eine Gala, »eine Collage aus Archivschnipseln, in die extra eingeübte musikalische Darbietungen von alten Weggefährten eingebaut worden waren«, wie es der Spiegel beschrieb. Ziel: Wenn der Gast schon nicht persönlich kommt, sollte es doch möglich sein, durch einen Mix aus Erinnerungen sein Wesen herauszudestillieren – unter der Überschrift: »Herr Schmidt wird fünfzig, will aber nicht feiern.«

Mit diesem Problem hatte auch das Zentralkomitee (ZdK)zu tun, als es in Mannheim eine Geburtstagsfeier für das Zweite Vatikanische Konzil ausrichten wollte. Auch hier gibt es keinen Jubilar, der womöglich versonnen oder gerührt auf einem Ehrensessel Platz genommen hätte. Erschwerend kommt hinzu, dass über den Leumund des Geburtstagskindes unterschiedliche, ja konträre Ansichten im Umlauf sind.

Also plündert man auch hier die Archive historischer Fernsehbilder und forscht in einem guten Dutzend Köpfen von Zeitzeugen nach, um dem Abwesenden Gestalt zu geben. Und als sich der Eröffnungsnebel der Gala gelegt hat, da ist es einem, als sei man geradewegs durch einen Zeittunnel in die 1970er-Jahre-Welt von Harald Juhnke und Peter Alexander geflutscht – inklusive Showband mit perfektem »Happy-Sound« (wir erinnern uns: James Last!) und Showtreppe (Gott sei Dank: Die Älteren dürfen auch von der Seite kommen). »Fehlt nur noch das MDR-Fernsehballett!«, raunt ein Zuschauer. Wir geben das mal als Anregung weiter.

Und was wird so geredet? Wir fassen zusammen: »Ich denke, das Zweite Vatikanische Konzil wird in den nächsten Jahrzehnten so toll umgesetzt, dass alle Katholiken sagen: Also, wenn wir so weitermachen, d

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