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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2020
»Die Zeit läuft uns weg«
Ein Gespräch mit Georg Bätzing
Der Inhalt:

Was stärkt Paare in der Krise?

von Markus Dobstadt vom 29.05.2020
Sprechstunde: Fragen an den Osnabrücker Psychotherapeuten Martin Brentrup

Publik-Forum: Herr Brentrup, Corona verändert nun seit Monaten unseren Alltag. Die Menschen müssen viel enger in ihren Wohnungen zusammenleben. Was bedeutet das für die Paarbeziehung?

Martin Brentrup: Corona ist eine Zeit voll extremer Ungewissheiten, der Job ist womöglich bedroht oder die Gesundheit der Eltern. Viele Paare betreuen zudem Kinder. Wichtig ist, dass Partner ihre Ängste ernst nehmen und einen Sinn dafür entwickeln, dass jeder unterschiedlich damit umgeht.

Ist die intensive Nähe ein Problem, wenn Paare in Quarantäne oder Homeoffice sind?

Brentrup: Das Risiko ist natürlich größer, dass der Partner für jeden Frust verantwortlich gemacht wird. Aber diese Zeit kann auch zu einer unerwartet spannenden Entdeckungsreise für Paare werden.

Wie denn?

Brentrup: Etwa, indem man sich gegenseitig fragt: »Wie geht es dir mit all dem?« Und sich dann intensiv über die eigenen Bedürfnisse austauscht. Das fängt bei Zeiten für Homeoffice und Kinderbetreuung an, kann aber viel tiefer gehen. Schlägt der Frust in Vorwürfe um, sollte man sich fragen: Welche meiner Bedürfnisse sind übergangen worden? Wollte der Partner das überhaupt? Oft führt die Beschäftigung mit den eigenen Bedürfnissen zu mehr Eigenverantwortung. Und zu einem Neuanfang in der Partnerschaft.

Helfen Rituale?

Brentrup: Ganz bestimmt. Manche Paare erzählen, dass sie täglich eine Runde durch den Garten machen oder gemeinsam einen Tee trinken. Solche Rituale schaffen eine Haltung der Aufmerksamkeit. In der Regel sind es ja viele kleine Enttäuschungen, die eine Beziehung einschlafen lassen.

Für Paare mit kleinen Kindern ist die Zeit sehr schwierig, ohne Kita und Großeltern.

Brentrup: Ja. Da brauchen sie Toleranz – und das Eingeständnis, dass sie das alles wahrscheinlich nicht immer gut bewältigen. Wenn man dann Aussetzer hat, kann man sich hinterher auch entschuldigen.

Was ist, wenn es eskaliert?

Brentrup: Es ist nicht das Schlimmste, wenn es mal laut wird. Ideal wäre, den Blick trotz der Wut auch auf sich selbst zu richten. Geht es mir nur um den aktuellen Anlass? Welcher Frust st

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