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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2017
Die Tücken des fairen Handels
Im Norden boomt Fair Trade - im Süden wächst die Kritik
Der Inhalt:

Der Geist von Wittenberg

von Bettina Röder vom 26.05.2017
Die Lutherstadt ist beim Kirchentag Gastgeber für 100 000 Menschen. Ein Besuch vorab

Improvisation, das ist ihre heimliche Leidenschaft. Mit anderen Worten: aus Nichts etwas machen. Ohne Kapital, ohne Heerscharen von Beratern, einfach so. Nur mit Fantasie und mit Menschen, die begeistert sind. Eva Löber schüttelt den Kopf und lacht. »Das habe ich in der Mangelwirtschaft DDR gelernt«, sagt sie. Die 67-Jährige sitzt in dem kleinen schmucken Café hinter dem großen Torbogen, der zu einem der beiden berühmten Cranach-Höfe führt. »In der DDR gab es hier ein Frisörgeschäft, die Höfe waren verrammelt und verfielen«, erinnert sie sich. Sie selbst, damals Textildesignerin im Kulturhaus »Wilhelm Pieck« des Stickstoffwerkes, habe wie die meisten in der Stadt nicht gewusst, wo die Cranach-Höfe sind.

Nach der Friedlichen Revolution wurde Eva Löber Motor einer Bürgerinitiative, die die einzigartigen Höfe gerettet hat. Dank vieler Unterstützer und Geldgeber wurde der erste Hof 1998 eingeweiht: gleich neben den historischen Werkstätten des berühmten Künstlers und Luther-Freundes Lukas Cranach des Jüngeren, dessen Bilder nur unweit von hier in der Stadtkirche zu sehen sind. Hier gibt es eine moderne Herberge für Gäste aus nah und fern. Die eigens gegründete Stiftung zeigt Kunstausstellungen und organisiert Literatur- und Musikreihen. Die Malschule für Kinder und Jugendliche ist heiß begehrt.

Beim Wittenberger Kirchentag werden die Cranach-Höfe mit dem Café auch ein Ort der Erholung sein. Denn ein Mammutprogramm wartet auf die Besucher. Von Improvisation kann keine Rede sein. 100 000 Gäste werden allein auf den Elbwiesen zum Abschlussgottesdienst erwartet. Die sieben »Tore der Freiheit« rund um den alten Wallgraben wurden im Beisein von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bereits am 20. Mai präsentiert und werden bis September zu sehen sein. Pavillons aus Holz, Stahl und Lehm laden zu Diskussionen Konzerten und Themenwochen »Weltausstellung der Reformation« ein.

Christof Vetter, der Marketingchef von Kirchentag und Weltausstellung, sitzt im Melanchthongymnasium und stöhnt leise. In der seit zehn Jahren geschlossenen Schule arbeitet der Vorbereitungsstab. Pappkartons stapeln sich, Pläne hängen an der Wand, durch die hohen Fenster des Gründerzeitbaus fällt Licht. 150 Veranstaltungen an vier Tagen wollen vorbereitet sein. Wie auch die Installation der Tore. »Über Barcelona«, sagt Vetter, »wurden Flüchtlingsboote aus Lampedusa für die be

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