Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2017
Die Tücken des fairen Handels
Im Norden boomt Fair Trade - im Süden wächst die Kritik
Der Inhalt:

Den Urwald retten mit dem Papst

von Thomas Seiterich vom 26.05.2017
Ein befreiungskirchliches Netzwerk versucht, die Öko-Enzyklika von Papst Franziskus über alle Grenzen hinweg umzusetzen

Vor knapp zwei Jahren, an Pfingsten 2015, hat Papst Franziskus seine Enzyklika Laudato Si veröffentlicht. Während das ökosoziale Weltrundschreiben, das für einen schöpfungsfreundlichen Lebensstil wirbt, im theoriegesättigten Europa wie ein weiteres Öko-Gerechtigkeitspapier neben vielen anderen aufgenommen und allenfalls im akademischen Bildungsbetrieb verdaut wurde, praktisch aber kaum Resonanz fand, ist der Text in Südamerika eine Sensation. Dort mobilisiert Laudato Si mit seiner klaren Sprache und dem Protest gegen Ausbeutung und Habgier tatsächlich Veränderungskräfte. Vor allem unter jungen Erwachsenen, deren Eltern sich längst aus Frust über den befreiungsfeindlichen Kurs der Päpste Karol Wojtyla und Joseph Ratzinger von der katholischen Kirche abgewandt hatten.

Die Enzyklika ist auch die theoretische Grundlage für das neugegründete kirchliche Netzwerk »Repam« (Red Eclesial Panamazónica), das sich länderübergreifend über das gesamte Amazonasgebiet mit seinen 7,5 Millionen Quadratkilometern erstreckt. Im Namen dieses Netzwerks ist Kardinal Claudio Hummes jüngst mit Menschen aus vier indigenen Völkern vom brasilianischen São Paulo nach Washington gereist, um dort mit ihnen für die Rechte aller ursprünglichen Völker zu streiten. Der 84-jährige angesehene Franziskaner und Kardinal, der für sein Alter äußerst rüstig und fit ist, erklärt den Sinn von Repam: »Die indigenen Völker müssen die Bauleute ihrer eigenen Geschichte werden.« Die Kirche habe »erst dann ihren Auftrag im Amazonasgebiet erfüllt, wenn das erreicht ist«.

Patricia Gualinga, die 37-jährige Sprecherin des Widerstandsdorfes Sarayaku im Amazonas-Urwald (Publik-Forum 9/17), reist und kämpft gemeinsam mit dem Kardinal. Sie hat die Botschaft längst verinnerlicht: »Wir sind nicht mehr die armen Indigenen, die man ausbeutet und isoliert. Wir wollen ein globales Bewusstsein schaffen, um unsere Territorien vor zerstörerischer Ausbeutung zu bewahren.« Die dynamische Frau gehört zum Volk der Kichwa. Ihr Horizont ist weit: »Wir denken nicht bloß an unsere indigenen Völker, wir wollen Leben auf unserem Planeten auch in Zukunft ermöglichen.«

Mauricio Lopez, vierzig Jahre alt, steuert die Arbeit von Repam aus der ecuadorianischen Hauptstadt Quito. Er sagt: »Wir errichten keine neue Kirchenbürokratie, sond

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen