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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2012
Wer war Jesus?
Die neuen Einsichten der Bibelforscher
Der Inhalt:

Nur viele, aber auch alle

Der Papst will die Einsetzungsworte in der Liturgie geändert sehen. Das ist auch eine Verbeugung vor den Konservativen

Der Professor auf dem Papststuhl will es ganz genau und einheitlich in seiner Kirche haben, der Kirchenpolitiker in ihm die erzkonservativen Katholiken beruhigen. In einem fünfseitigen Schreiben an die deutschen Bischöfe hat Benedikt XVI. jetzt dazu aufgefordert, in der katholischen Messliturgie die sogenannte Einsetzungsformel über den Kelch zu ändern. Hieß es bisher unter Bezug auf das Geschehen beim sogenannten »Letzten Abendmahl Jesu« mit den Jüngern »mein Blut, das für euch und für alle vergossen wird zur Vergebung der Sünden«, so soll es jetzt heißen: »... das für euch und für viele vergossen wird ...«.

Dies seien die ursprünglichen Worte Jesu, betont der Papst unter Verweis auf das Markus- und das Matthäus-Evangelium. Die Formulierung »für alle« sei bereits eine Interpretation, »die sehr wohl begründet war und bleibt, aber doch schon Auslegung und mehr als Übersetzung ist«. Sie zu verwenden gehe aus »prinzipiellen theologischen Gründen« nicht. Der »Respekt vor dem Wort Jesu« erfordere, »ihm auch bis ins Wort hinein treu zu bleiben«, so der Papst.

Doch: »Woher will der Papst wissen, ob nicht auch die Evangelisten interpretiert haben?«, fragt kritisch der Theologe Klaus Müller aus Münster. Den aramäischen Wortlaut Jesu hätten weder die Evangelisten noch die heutige Kirche gehört. Der Papst setzt etwas als historisch gesichert voraus, was keineswegs sicher ist – zumal auch das Abendmahl selbst, wie es in den Evangelien geschildert wird, so wahrscheinlich gar nicht stattgefunden hat.

Klaus Müller sieht in der Aufforderung des Papstes ein »kirchenpolitisches Zugeständnis an extrem konservative Kreise« wie etwa die Pius