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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2012
Wer war Jesus?
Die neuen Einsichten der Bibelforscher
Der Inhalt:

Wenn sie betet, folgt ihr ein Meer von Händen

Der andere Gottesdienst: Susanne Leder ist Gehörlosenseelsorgerin. Ein Besuch in Pasewalk

Susanne Leder steht in der Marienkirche von Pasewalk und friert etwas. Draußen schiebt der Wind Wolkengebirge vor sich her. Drinnen ist es zwar wärmer, aber eine Kirche aus dem 14. Jahrhundert lässt sich nicht so beheizen wie ein Wohnzimmer. Die Frau mit dem dunkelblonden, halblangen Haar und der randlosen Brille streift sich den Talar über.

Die Gottesdienstbesucher versteht die 33-jährige Pfarrerin schon recht gut. Es sind Gehörlose. Vor einem knappen Jahr begann Susanne Leder, die deutsche Gebärdensprache zu erlernen. Zur gleichen Zeit bewarb sie sich auf die halbe Stelle als Gehörlosenseelsorgerin der Pommerschen Evangelischen Kirche. Außerdem teilt sie sich mit ihrem Mann eine Pfarrstelle in Ückermünde, einer Stadt nahe Polen. Die Gebärdensprache büffelt Susanne Leder so wie andere Menschen Russisch oder Chinesisch.

Anfangs benutzte sie zum Selbststudium eine DVD, auf der die Gebärden vorgeführt werden. Dann buchte sie einen Kurs in der Gebärdenfabrik in Berlin, einem Unternehmen, das die Gebärdensprache vermittelt. Jetzt übt sie weiter mit der DVD und trainiert im Gespräch mit den Gehörlosen. Es mache ihr Spaß, in diese neue Welt einzutauchen, sagt die Frau aus der sächsischen Stadt Döbeln.

Sie hat schon Erfahrungen in der Arbeit mit Körperbehinderten gesammelt. Nun die Gehörlosen. »Sie haben so viel Lebensmut«, sagt sie. Viele seien dankbar für alles, was sie an menschlicher Begegnung und Kultur erleben können.

Die zweifache Mutter hat in Greifswald und Leipzig evangelische Theologie studiert, wo bekanntlich das Wort viel gilt. »Ich musste mich anfangs sehr umstellen«, sagt sie. Und doch: