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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2012
Wer war Jesus?
Die neuen Einsichten der Bibelforscher
Der Inhalt:

Der Bruderzwist

Der Vatikan ist dabei, Frieden mit den Piusbrüdern zu schließen. Wird damit die Reform der Kirche beerdigt?

Ökumene, Religionsfreiheit, neue Liturgie: Die Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils konnten die Piusbrüder nie ertragen. 1988 trennten sie sich von Rom, weihten eigene Bischöfe und erklärten sich zu Hütern des »wahren Katholizismus«. 2009 hob Benedikt XVI. die Exkommunikation der Pius-Bischöfe auf. Verhandlungen begannen über die Rückkehr der Bruderschaft in den Schoß der Kirche. Seit dem 17. April scheint das Schisma beendet: Ein Brief der Piusbrüder erreichte Rom. Darin akzeptieren sie eine Präambel zum Gehorsam gegenüber dem Papst. Doch die Konzilslehren unterzeichnen sie damit nicht. Vatikansprecher Federico Lombardi erklärte, mit dem Brief könne »der Vatikan arbeiten«. Spielt der Papst ein doppeltes Spiel?

Lange Zeit warb Radio Vatikan mit einem Foto, das Papst Johannes Paul II. mit einem Kind auf dem Arm zeigte und mit dem Slogan »Vati kan(n) sich hören lassen« versehen war. Heute ist zwar viel aus dem Vatikan zu hören, doch sind dies oft Botschaften, die zur Verzweiflung über den Zustand der katholischen Kirche führen. Jüngstes Beispiel ist die Einigung zwischen Rom und den erzkonservativen Piusbrüdern, die offenbar hinter verschlossenen Türen ins Werk gesetzt wurde.

Im Vorfeld eines Konsistoriums am 18. Februar 2012 – eines der üblichen Jahrestreffen, zu denen der Papst seine Kardinäle einberuft – wurden geheime Briefe und Dokumente anonym veröffentlicht. Man begann schnell, in Anspielung auf die Internetplattform Wikileaks von »Vatileaks« zu sprechen. Zunächst ging es um einen Brief des italienischen Erzbischofs Carlo Mario Vigano, den er an Kardinalstaatssekretär Bertone und an den Papst persönlich gericht