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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2016
Eine Stadt sucht Heilung
Brüssel nach dem Terror
Der Inhalt:

Stürme der Hoffnung entfesselt

von Thomas Seiterich vom 15.04.2016
Drei Jahre Papst Franziskus haben für ein neues, gutes Image der Weltkirche gesorgt. Doch wer auf eine Reform der Strukturen hofft, wird ungeduldig

Johannes Paul II. und Benedikt XVI. wurden einst kritisiert, weil sie den Rahmen des römischen Pontifex-Amtes sprengten und als Päpste sehr subjektiv agierten. Der Polen-Papst war ein ebenso autoritärer wie führungsstarker Welt-Freiheitspolitiker; der Dogmatiker Benedikt machte Dienst nach Vorschrift, um dann am Feierabend seine großen theologischen Bücher zu schreiben. Noch viel subjektiver als beide handelt seit drei Jahren nun Franziskus: Mit ihm spricht erstmals ein Papst so einfach, dass jeder ihn versteht.

Der Argentinier wird geliebt wegen seiner Offenherzigkeit – mehr als fast jeder Amtsvorgänger. Weltweit durchgeführte Umfragen zeigen, dass weit mehr als die Hälfte der Befragten den 79-Jährigen für eine der größten lebenden Hoffnungen der Menschheit hält.

So viel Zustimmung – auch von Nichtkatholiken – war nicht zu erwarten nach dem Megaskandal der sexuellen Gewaltverbrechen durch Priester weltweit und nach der doktrinären Verurteilungs-Sucht vieler Päpste, die die Kirche spalteten, anstatt Brücken der Sympathie zu bauen.

Franziskus ist kein Weichei. Er bewegt viel. Zunächst punktet er politisch. Zwischen Kuba und den USA vermittelte er Frieden, auf Lampedusa und Lesbos besuchte er Flüchtlinge. Auch kirchlich verändert er einiges: Er hat begonnen, den Vatikan zu entfilzen und erarbeitet seiner Kirche ein neues, positives Image. Doch dringende Reformen wie etwa beim Zwangszölibat für Priester lassen auf sich warten.

Die Wahl des Argentiniers 2013 war eine große Überraschung. Nun hält er seine Kirche und zuweilen auch die Welt in Atem. Er spricht nie Theologen-Kauderwelsch, sondern gewinnt mit Gesten und mit Klartext die Herzen. Mal weigert er sich, Homosexuelle zu verurteilen. Mal sagt er, der US-Republikaner Donald Trump sei kein Christ, denn er wolle Mauern gegen Flüchtlinge bauen. Mal erklärt er, gute Katholiken müssten sich nicht wie Karnickel vermehren. Ein andermal nimmt er einen Klaps bei der Erziehung nicht zu genau – in Lateinamerika gang und gäbe, in Europa ein wirklicher Grund zur Entrüstung.

Franziskus bewahrt sich seine Freiheit, lässt sich Termine und Gästeliste nicht vorschreiben. Wenn er jemanden vorzieht, dann die Kirche der Armen. Er regiert stets selbst und duldet keine Nebenpäpste wie die einst mächtigen Prälaten Gänswein und Dziwisz. Ins Kästchen »konservativ« oder »liberal« l

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