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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 6/2012
Gesellige Einzelgänger
Pilgern: Sich selbst auf der Spur – und vielleicht auch Gott
Der Inhalt:

»Unser Essen ist zu billig«

von Eva-Maria Lerch vom 04.05.2012
Hilft es den Hungernden in Afrika, wenn wir hier den Teller leer essen? Fragen an Bernhard Walter von »Brot für die Welt«

? Jeder Deutsche wirft jedes Jahr 81 Kilogramm Nahrungsmittel einfach so in die Mülltonne. Das hat jüngst eine erschreckende Studie der Bundesregierung ergeben. Warum achten wir das tägliche Brot nicht mehr?

! Unsere Lebensmittel sind zu billig und zu zahlreich. Das überbordende Angebot an Nahrungsprodukten, die wir ständig in jedem Supermarkt vor Augen haben, senkt die Wertschätzung der Nahrung und verleitet dazu, Sachen zu kaufen, die man letztlich nicht aufessen kann. Dazu kommen gesellschaftliche Verhältnisse, wo man immer seltener gemeinsam kocht und isst. Für die vielen Singlehaushalte sind die Verpackungseinheiten häufig zu groß, und dann verderben die Reste in den Kühlschränken.

? Nach Bekanntwerden der Studie hat »Brot für die Welt« wieder dazu aufgerufen, achtsam mit Nahrungsmitteln umzugehen. Hilft es den hungernden Kindern in Afrika, wenn ich in Deutschland meinen Teller leer esse?

! Indirekt ja. Wenn Sie weniger Essen wegwerfen, kaufen Sie auch weniger ein. Dadurch sinkt die Nachfrage auf dem Weltmarkt – und die Lebensmittel werden in den armen Ländern wieder erschwinglich. Die Felder, die dort bislang für die Produktion von Exportgütern genutzt werden, werden dann theoretisch wieder frei für den Anbau von Lebensmitteln für die eigene Bevölkerung. Aber es müssen dort auch die Land- und Besitzverhältnisse geändert werden, damit arme Bevölkerungsgruppen diese Flächen bewirtschaften können. So würden weniger Menschen an Hunger leiden und die politischen Verhältnisse stabiler werden.

? Politisch stabiler? Inwiefern?

! Wenn der Brotpreis ins Unermessliche steigt, ist das häufig ein Auslöser für Hungeraufstände und regionale Unruhen.

? Wie bekämpfen Sie als evangelische Hilfsorganisation den Hunger?

! Nicht, indem wir Brot aus Europa in die Hungerregionen verschiffen! Der Transport von Nahrungsgütern ist nur als Soforthilfe in Katastrophenfällen sinnvoll. Unser Hauptanliegen ist die Stärkung der Kleinbauern, damit die Menschen sich selbst mit Nahrungsmitteln versorgen können und weniger vom Weltmarkt abhängig sind. Wir müssen dafür sorgen, dass die fruchtbaren Flächen für die lokal

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