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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 4/2017
Wer ist Herr im Hirn?
Der Streit um den freien Willen
Der Inhalt:

in Memoriam: Danke für diese schönen Lieder

von Thomas Seiterich vom 24.02.2017
Martin Gotthard Schneider

Im Alter von 86 Jahren ist in Konstanz der evangelische Theologe, Dichter und international bekannte Kirchenmusiker Martin Gotthard Schneider gestorben. Ihm gelang 1963, was kein Theologe seither jemals erreichte: Sein Lied »Danke für diesen guten Morgen ...« schaffte es wochenlang in die populäre Hitparade. Schneiders Danke-Hit strotzt nur so von Gottvertrauen. Der Song lässt sich deuten als eine superoptimistische Gegenpredigt wider die damaligen Ängste der Menschen: Als »Danke« in die Welt kam, standen der Kalte Krieg und die Blockkonfrontation auf dem Höhepunkt, ein Jahr nach der Kuba-Krise, in der die Menschheit knapp einem Atomkrieg entging. Schneider erfand den deutschen Sacropop. »Das war eine echte Initialzündung«, sagt der Frankfurter evangelische Stadionpfarrer und Liederdichter Eugen Eckert. Die neuartigen Kirchensongs des Kantors der Badischen Landeskirche waren dermaßen populär, dass sie Kritiker und auch theologische Neider auf den Plan riefen. In der Kirchenmusik-Fachwelt wurde Schneiders Ballade »Zwischen Jericho und Jerusalem« gar ein »HJ-Rhythmus« unterstellt. Doch der Theologe Schneider dichtete getrost weiter. Unter anderem den Hit »Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt«. Schneider erreichte mit seiner Sprache die Leute. Punk-Bands wie Die Ärzte griffen seine Lieder auf.

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