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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 4/2012
Ende eines Traums?
Die Zukunft der arabischen Revolution
Der Inhalt:

Demokratie braucht Wohlstand

von Thomas Schneider vom 04.05.2012
Die arabischen Revolutionäre benötigen die Hilfe des Westens – allerdings die richtige

Wie heißt es denn nun? Jasminrevolution, Arabischer Frühling, Arabellion – die blumigen Etiketten, ausgedacht an europäischen Schreibtischen, treffen nicht den Kern der Sache. Die Tunesier sagen: »Revolution der Würde«. Darin stecken der Stolz und die Empörung, die ihre Freiheitsbewegung stark gemacht haben. Citoyens wollten keine Untertanen mehr sein, keine »diplomierten Arbeitslosen«, keine Almosenempfänger einer korrupten Bürokratie. Sie kämpften von Beginn an um beides: Freiheit und menschenwürdige Arbeit. Daraus sollte Europa einige Schlüsse ziehen im Umgang mit den Ländern, die ihre Diktatoren gestürzt haben.

Hilfe bei der Reform von Polizei, Justiz und Behörden ist gut. Aber entscheidend ist, dass die jungen Leute zwischen 20 und 35 Jahren, die am meisten unter Arbeitslosigkeit leiden, eine Perspektive bekommen. Viele von ihnen sind gut ausgebildet. Während der Revolution haben sie ausländische Journalisten oft in drei oder vier Fremdsprachen angesprochen. Als Ingenieure oder Ärzte wären sie in vielen Ländern Europas, auch in Deutschland, gefragt. Sinnvoll wären Programme, die ihnen für eine begrenzte Zeit den europäischen Arbeitsmarkt öffnen. Damit könnten sie Berufserfahrung und Geld gewinnen, die ihnen später zu Hause den Weg in die Selbstständigkeit erleichtern.

Bisher schottet sich die EU gegen Waren von der südlichen Seite des Mittelmeers ab. Vor allem Obst und Gemüse, aber auch Textilprodukte etwa aus Ägypten oder Tunesien werden durch Quoten, Zölle und Gesetze vom europäischen Markt ferngehalten. Wenn Solidarität mehr ist als Daumendrücken, sollte das nicht so bleiben. Eine Öffnung für Waren zeigt sofort Wirkung. Die Öffnung für Fachkräfte ist noch wichtiger, wirkt aber eher langfristig.

Schließlich muss Europa bei Großprojekten mehr als bisher darauf achten, wem die privaten Investitionen und ihre staatliche Förderung nützen. Schon vor den Umbrüchen des Jahres 2011 entstand die Wüstenstrom-Initiative Desertec. Wenn sie tatsächlich in Gang kommt, kann sie saubere Energie für Europa und Nordafrika liefern und zugleich ein Modell für neue Infrastrukturpolitik. Die EU sollte dabei nur solche Investoren unterstützen, die jenseits des Mittelmeers qualifizierte Arbeitsplätze für Einheimische schaffen und einen relevanten Anteil des Stroms für die jungen, wachsenden Gesellschaften Nordafrikas produzieren – vorzugsweise in jenen Ländern, die auf dem Weg zur

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