Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 3/2020
Geht doch!
Der Synodale Weg der katholischen Kirche
Der Inhalt:

Der Polizist der anderen

von Franziska Grillmeier vom 14.02.2020
Jamal Hakrush ist der erste muslimische Polizeivizepräsident Israels. Er soll die Sicherheit in den arabischen Gemeinden verbessern – und dabei siebzig Jahre Versäumnisse der israelischen Polizei ausbügeln

In der Polizeiabteilung von Jamal Hakrush in der israelischen Kleinstadt Kiryat Ata wird Hebräisch gesprochen. Auch die Aushänge auf der Infotafel im Gang sind auf Hebräisch. Der 62-jährige Polizeivizepräsident spricht die neue Amtssprache fehlerfrei, jedoch mit einem arabischen Akzent. Vor anderthalb Jahren erklärte sich Israel per Gesetz zu einem rein jüdischen Staat und Hebräisch zur alleinigen Amtssprache.

Hakrush ist als arabischer Israeli in einer tief gespaltenen Gesellschaft aufgewachsen. In seiner Jugend begegnete er der israelischen Polizei mit Misstrauen. Denn wenn es um Straftaten gegen jüdische Israelis ging oder um die Bekämpfung von Terror, war sie schnell zur Stelle. Kam es aber zu Gewalt innerhalb der palästinensischen Gemeinden, zog sich die Polizei zurück. Dabei gibt es fast keine arabische Stadt innerhalb der israelischen Grenzen, in der es in den vergangenen Jahren nicht zu Schießereien kam.

Eine Untersuchung der Knesset, des israelischen Parlaments, hat ergeben, dass zwischen 2014 und Mitte 2017 fast zwei Drittel der Mordopfer in Israel arabische Israelis waren. Dabei machen diese nur 21 Prozent der Bevölkerung aus. »Mehr als 97,5 Prozent der arabischen Gesellschaft wollen ein normales Leben«, sagt der Polizist. Mit dem kleinen Rest habe man schwer zu kämpfen.

Hakrush kommt aus Kafr Kana, einer arabischen Stadt im Nordosten des Landes. Es ist jener Ort, in dem Jesus der Überlieferung zufolge Wasser zu Wein verwandelt haben soll. Hakrush arbeitete zunächst als Bauarbeiter. Mit 21 ging er zur Polizei und legte eine steile Karriere hin. Er ist der erste arabische Israeli, der zum Polizeivizepräsidenten befördert wurde, dem zweithöchsten Rang in der israelischen Polizei. Das ist ein Lichtblick in einem Land, in dem die Diskriminierung arabischer Bürger an der Tagesordnung ist. Aber als arabischer Israeli durfte er keine Extrarunden in der Ausbildung drehen, durfte nicht bei der Aufnahmeprüfung scheitern, die er auf Hebräisch ablegen musste, was nicht seine Muttersprache ist. Er hätte sonst riskiert, früher von der Karriereleiter zu fallen als ein jüdischer Israeli. Und nicht nur in der jüdisch-israelischen Community erfährt er Widerstände. Auch in der eigenen, arabischen, trifft er auf Ablehnung. Viele seiner Landsleute sehen ihn als Verräter an, weil er als Palästinenser bei der israelischen Polizei mitwirkt. Häufig ist er in einer Zwickmühle: E

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen