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kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 3/2018
Was ist der Mensch wert?
Der Preis des Lebens und die Würde des Menschen
Der Inhalt:

Aufgefallen: Die Standhafte

Radhya Al-Mutawakel kämpft für die Menschenrechte im Jemen – mitten im Krieg

Eine leise Stimme meldet sich am anderen Ende des Telefonhörers. Ich erreiche Radhya Al-Mutawakel in Sanaa, der Hauptstadt des Jemen. Dort ist sie aufgewachsen, dort hat sie die Universität besucht. Heute leitet die Vierzigjährige in Sanaa eine Menschenrechtsorganisation; Mwatana heißt sie. Mit rund sechzig Mitarbeitern im ganzen Land – die Hälfte davon Frauen – dokumentiert sie Kriegsverbrechen, setzt sich für die Rechte von Kindern ein, leitet Trainings und schickt Anwältinnen los, um politische Gefangene zu unterstützen.

Es ist Krieg im Jemen. Das Land versinkt in Chaos, Hungersnot, Armut. Cholera und Diphtherie grassieren, die Vereinten Nationen sprechen von der »größten humanitären Katastrophe der Gegenwart«. Und mittendrin Al-Mutawakel, deren Vater 2014 bei einem Anschlag ermordet wurde (von wem, ist ungewiss), deren Schwager seit acht Jahren zu den vielen Verschwundenen des Landes gehört. Sie macht einfach weiter mit ihrer Arbeit, unbeirrbar. »Es ist meine Pflicht, hier vor Ort zu sein. Viele internationale Organisationen brauchen eine jemenitische Stimme«, erklärt sie.

Dabei hatte Al-Mutawakel die Chance auf Asyl in den USA und in Europa. Dort war sie vergangenes Jahr mehrere Monate gemeinsam mit ihrem Mann. Auf Kongressen sprach sie über den Krieg, bei Hilfsorganisationen sammelte sie Spenden für ihre Arbeit, im UN-Sicherheitsrat trat sie auf, machte sich stark für unabhängige Ermittlungen von im Jemen verübten Kriegsverbrechen. Aber Asyl beantragen? Darüber habe sie keine Sekunde nachgedacht, sagt sie. »Ich musste zurück. Zu meinen Leuten, zu meinem Volk.« Wie könne sie denn ihre Mitstreiter einfach im Stich lassen? Und noch etwas fügt d