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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 3/2017
Steife Brise
Wie der Streit um die Windkraft gelöst werden kann
Der Inhalt:

Gut gemeint, aber nicht gut gemacht

von Michael Schrom vom 10.02.2017
Das Papier der deutschen Bischöfe im Umgang mit wiederverheiratet Geschiedenen drückt sich um wesentliche Fragen

Beginnen wir mit einer Rückblende: Vor knapp 25 Jahren trugen die damaligen Bischöfe Karl Lehmann (Mainz), Oskar Saier (Freiburg) und Walter Kasper (Rottenburg) im Vatikan die Bitte vor, man möge doch bei der Frage der wiederverheirateten Geschiedenen – bei allem Respekt vor der katholischen Ehelehre – zumindest eine Einzelfallprüfung ermöglichen, sodass diejenigen Betroffenen, die unter dem Ausschluss von den Sakramenten leiden, die Möglichkeit hätten, irgendwie und irgendwann wieder in die volle Gemeinschaft der Kirche eintreten zu können. Die Bischöfe wurden in Rom abgebürstet und von ihren damaligen Mitbrüdern im Amt nicht gerade solidarisch im Regen stehen gelassen. Die drei mussten sich anhören, mit ihrem Vorstoß das Zeugnis der Kirche zu verdunkeln, Schuld kleinzureden und die Gläubigen zu verwirren. So blieb alles beim Alten, bis Papst Franziskus nach zwei kontroversen und hoch emotionalen Familiensynoden ein Schreiben mit dem Namen Amoris Laetitia (Die Freude der Liebe) veröffentlichte. Darin schrieb er seinen Bischöfen zum Thema wiederverheiratete Geschiedene unter anderem folgenden Satz ins Stammbuch: »Die Kirche ist im Besitz einer soliden Reflexion über die mildernden Bedingungen und Umstände. Daher ist es nicht mehr möglich, zu behaupten, dass alle, die in einer sogenannten irregulären Situation leben, sich in einem Zustand der Todsünde befinden und die heiligmachende Gnade verloren haben.«

Ein Ideal und seine Folgen

Besser kann man das Prinzip Einzelfallprüfung kaum umschreiben. Franziskus setzte noch einen drauf: Wiederverheiratete Geschiedene »sollten sich nicht nur als nicht exkommuniziert fühlen«, sondern sich »als lebendige Glieder der Kirche« begreifen, die in ihr »leben und reifen können«. Die Kirche solle sich ihnen gegenüber wie »eine Mutter« verhalten, die sie »immer aufnimmt, sich liebevoll um sie kümmert und sie auf dem Weg des Lebens und des Evangeliums ermutigt«.

Seitdem wird in der Kirche gestritten, was das Zeug hält, zumal das päpstliche Schreiben eine gewisse Unschärfe hat, folglich Interpretationsspielraum lässt. Nun hat auch die Deutsche Bischofskonferenz in einem Schreiben mit dem schwurbeligen Titel »Die Freude der Liebe, die in den Familien gelebt wird, ist auch die Freude der Kirche« Stellung bezogen. Die Bischöfe wollen nun die Einzelfallprüfung ermöglichen. D

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