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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 3/2017
Steife Brise
Wie der Streit um die Windkraft gelöst werden kann
Der Inhalt:

Schaut auf diese Kirche!

Duisburg-Marxloh gilt als sozial abgestürzt: Armutseinwanderer, Roma aus Südosteuropa, Flüchtlinge und libanesische Clans. Doch rund um die Kirche St. Peter blühen eine außergewöhnliche Seelsorge und politische Sozialarbeit

In Syrien ist Hassan al-Tinawi einer der besten Federgewichtler im Boxen, sagt er. Hier im katholischen Pfarrhaus im Petershof, einem sozialpastoralen Zentrum in Duisburg-Marxloh, leitet er ein Boxprojekt für Kinder und Jugendliche. Der drahtige, durchtrainierte 24-Jährige mit den großen Händen ist sichtlich stolz auf sein Projekt. »Beim Boxen lernst du Fairness, Regeln und Disziplin – und die Jungen brauchen genau das, Hilfe und Führung. Ich bin hier, weil ich helfen will«, sagt al-Tinawi. Dann knufft er scherzhaft Yussuf (Name geändert), einen schmächtigen Zwanzigjährigen mit blonder Lockenfrisur, der eben ins offen stehende Pfarrbüro hereinschaut. »Gib auf dich acht, Yussuf«, sagt Pater Oliver Potschien, ein rotbärtiger Hüne in Priesterkleidung. »Und vergiss nicht, egal was jetzt kommt: Du bist gut im Schreiben. Schreib alles auf, was du erleben wirst.« Yussuf, Mitglied eines libanesischen Clans und bevor er die Ausbildung abbrach einer der vier Bürolehrlinge bei Pater Potschien im Petershof, muss zum ersten Mal im Leben für zwei Nächte ins Gefängnis. »Dumm gelaufen«, sagt der Pater. »Bei den Verhältnissen hier läuft leider bei den Heranwachsenden vieles schief.« Dann wechselt der Priester das Thema und spricht über die mal leichte, mal schwierige Zusammenarbeit mit der nordrhein-westfälischen Polizei.

Pater Oliver ist Prämonstratenser, ein Ordensmann. Zuvor war er rund zehn Jahre Rettungssanitäter und Gesundheitsarbeiter. Heute wirkt der 46-Jährige als Priester, Gerechtigkeitspolitiker, Manager und bei alldem auch als Menschenfischer. Ein Mann, der die Tradition seines Ordens hochhält: »Und da sind wir bei der Gastfreundschaft, bei der Liebe zu den Untergebutterten und beim Heiligen Augustinus,