Editorial
Über Liebe und Politik in Zeiten der Gewalt – und die Welt als Kekskrümel im All

Liebe Leserin, lieber Leser,
das war kein guter Start ins neue Jahr: der furchtbare Brand in einer Bar im schweizerischen Crans-Montana, eine Präsidentenentführung in Venezuela, ICE-Mitarbeiter erschießen in Minneapolis zwei unschuldige Menschen – und dann noch die Sache mit Grönland. Ich habe gedacht: Wenn schon drei Wochen so viel Unglück bringen – was bringt dann ein ganzes Jahr?
Wahrscheinlich bin ich nicht die Einzige, die solche Gedanken plagen. Wir leben in aufgeregten Zeiten. Wenn Tag um Tag neue Eilmeldungen auf dem Handybildschirm aufblinken, schwindet die Zuversicht. So vieles liegt außerhalb unserer Kontrolle – was können wir da überhaupt tun? »Sehr viel«, sagt Autor und Journalist Daniel Schreiber. Entscheidend sei: die Liebe! Im Interview hat er Matthias Drobinski und mir verraten, warum Liebe mehr als nur Gefühl ist – und welch enorme Kraft eine Gesellschaft entfaltet, wenn sie sich der tätigen Liebe verschreibt.
Ein spannendes Gespräch haben auch meine Kollegen Michael Schrom und Christoph Fleischmann mit dem Astrophysiker Heino Falcke geführt, der zugleich engagierter Christ ist. Ein Blick in die Quantenphysik zeigt, dass in der Welt der kleinsten Teilchen nichts eindeutig festgelegt, geschweige denn voraussehbar ist. Der Zufall schafft auch Raum für Freiheit. Was heißt das für den Glauben? Falcke wünscht, »dass wir auch den großen und gewaltigen Gott« wieder in den Blick nehmen, denn wir seien eigentlich nur ein »Kekskrümel im All«. Die Physik ist zwar mitleidlos und unbarmherzig. Aber: »Selbst im größten Unglück entdecken wir Barmherzigkeit, Liebe, Aufopferung«. Und: der Mensch kann, obwohl er physikalischen Gesetzen unterliegt, »barmherzig sein und mitleiden«.
Die Krisen unserer Zeit sind mit etwas Liebe und Barmherzigkeit nicht wegzuzaubern. Doch wenn ich lese, was Daniel Schreiber und Heino Falcke sagen, spüre ich wieder so etwas wie Zuversicht.
Ich wünsche Ihnen eine inspirierende Lektüre
Mathea Willmann ist Redaktionsvolontärin bei Publik-Forum.
Foto: Ute Victor




