Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2021
Hinterm Horizont
Aussichten nach Corona
Der Inhalt:

Corona und Theologie
Ohne Gott vor Gott

von Hans-Joachim Höhn vom 16.01.2021
Hat das Virus eine religiöse Relevanz? Kann man es Gott »in die Schuhe schieben«? Was bedeutet die Pandemie für das Verhältnis zwischen Gott und Welt? Über Corona und die Sprachlosigkeit der Theologie.
Weder nichts noch etwas Endliches: der Horizont (Foto: bellaluna / Photocase)
Weder nichts noch etwas Endliches: der Horizont (Foto: bellaluna / Photocase)

Kann man sich auf die Corona-Pandemie einen religiösen Reim machen? Was bedeutet sie für unsere Deutung der Beziehung zwischen Gott und Welt? Was offenbart sie? Diese Fragen sind einstweilen unbeantwortet geblieben. Die von Theologen häufig bemühte Kompetenz zur Deutung der »Zeichen der Zeit« wurde angesichts eines pandemischen Zeitzeichens bisher nicht unter Beweis gestellt. Weithin üben sich die meisten Gottesgelehrten in Zurückhaltung, das Virus als Überbringer einer göttlichen Botschaft zu deuten. Nicht zu Unrecht: Wer aus den säkularen Zeichen der Zeit zugleich etwas religiös Belangvolles herauslesen will, setzt sich der Gefahr eines theologischen Kurzschlusses aus.

Alle Versuche, in der Pandemie mehr zu sehen als ein Übel, für dessen Verbreitung der Mensch verantwortlich ist, gehen zu weit. Sie ist keine Naturkatastrophe, die wie ein Tsunami, ein Erdbeben oder ein Vulkanausbruch über die Menschheit gekommen ist. Sie ist kein natürliches, sondern ein soziales Übel: Das Virus wird von Mensch zu Mensch übertragen. Seine Ausbreitung wäre kaum so rasch erfolgt, gäbe es nicht eine globalisierte Ökonomie und einen internationalen Tourismus.

Die Pandemie deckt prekäre religiöse Beschwichtigungsversuche auf. Bloßgestellt werden alle hehren, aber hohlen Krisenbewältigungsfloskeln, wie etwa die Beteuerung: »Der gute und barmherzige Gott will nur Gutes. Er ist uns immer nahe – in guten wie in schlechten Zeiten.« Wer mit solchen Versicherungen eine theologische Trostkompetenz zeigen will, kaschiert lediglich theologische Ratlosigkeit. Die Verlegenheit, wie angesichts der offenkundigen innerweltlichen Tatenlosigkeit Gottes noch von seiner unbedingten Zuwendung zum Menschen die Rede sein kann, wird mit der trot

PFplus

Weiterlesen mit Publik-Forum Plus:

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für »Publik-Forum«-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Kommentare
Ihr Kommentar
Noch 1000 Zeichen
Wenn Sie auf "Absenden" klicken, wird Ihr Kommentar ohne weitere Bestätigung an Publik-Forum.de verschickt. Sie erhalten per E-Mail nochmals eine Bestätigung. Der Kommentar wird veröffentlicht, sobald die Redaktion ihn freigeschaltet hat. Auch hierzu erhalten Sie ein E-Mail. Siehe dazu auch Datenschutzerklärung.

Mit Absenden des Kommentars stimmen Sie der Verarbeitung Ihrer Daten zur Bearbeitung des Kommentars zu. Zum Text Ihres Kommentars wird auch Ihr Name gespeichert und veröffentlicht. Die E-Mail-Adresse wird für die Bestätigung der Bearbeitung genutzt. Dieser Einwilligung können Sie jederzeit widersprechen. Senden Sie dazu eine E-Mail an [email protected].

Jeder Artikel kann vom Tag seiner Veröffentlichung an zwei Wochen lang kommentiert werden. Publik-Forum.de behält sich vor, beleidigende, rassistische oder aus anderen Gründen inakzeptabele Beiträge nicht zu publizieren. Siehe dazu auch Netiquette.