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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2020
Zukünfte gesucht!
Wohin sich Politik, Kirchen und Gesellschaft entwickeln werden
Der Inhalt:

Jüdische Ideenvielfalt

von Norbert Copray vom 17.01.2020
Buch des Monats: Die maßgeblichen Beiträge einer Religion für die Menschheit

Mario Markus
222 Juden verändern die Welt
Olms. 436 Seiten. 29,80 €

Der unverhohlen auftretende Antisemitismus ist besonders in Deutschland unerträglich. Schon der latente Antisemitismus ist beschämend. Dieser Rassismus ohne Rasse ist eine polit-pathologische Form der Selbsterhöhung durch Abwertung anderer. Ihre wahnhafte Struktur liegt unterm dünnen Firnis von Aufklärung, Zivilisation und Menschenrechtsdeklamationen. So kommt dieses Buch »222 Juden verändern die Welt« von Mario Markus zur richtigen Zeit, wie Felix Klein, der Beauftragte der Bundesregierung für jüdisches Leben und den Kampf gegen Antisemitismus in seinem Geleitwort schreibt.

Markus ist ein in Chile geborener deutscher Physikprofessor, Sohn deutsch-jüdischer Emigranten, der in Deutschland ein Physikstudium bis zur Habilitation absolvierte und viele Jahre an diversen Max-Planck-Instituten gearbeitet hat. Dabei hat er etwa 160 wissenschaftliche Originalarbeiten hauptsächlich zu Fragen von Selbstorganisation und Chaos in Biologie, Physik und Chemie veröffentlicht. Außerdem hat er mehrere Gedichtbände, einen Roman, einen Comic und Werke über Computergrafik verfasst.

Von seiner ursprünglich aus Berlin stammenden Familie sind seine Großmutter und viele andere enge Verwandte durch die Nationalsozialisten ermordet worden. Nur seine Eltern flohen 1938 dank verwandtschaftlicher Hilfe nach Bolivien und von dort nach Chile. Für die anderen reichten die Mittel für die Überfahrt nicht. Das Buch lässt staunen. Alle darin vorgestellten 222 Juden veränderten die Welt, die ganz überwiegende Zahl zum Besseren. Ob in Malerei, Musik, Kunst, Film, Philosophie, Naturwissenschaft, Technik, Mathematik, Medizin, Politik, Ökonomie und Sozialleben: der Anteil der Juden am wissenschaftlichen, künstlerischen und kulturellen Fortschritt ist beträchtlich und hat das, was man heute die westliche Kultur nennt, wesentlich zum Besseren mitgestaltet. 23 Prozent der Nobelpreise gingen an Juden, die jedoch nur zwei Promille der Weltbevölkerung ausmachen. Unter dem Aspekt »Juden unterhalten die Welt« mit Musik, Theater, Schauspiel wäre das Buch doppelt so dick. Hier bleibt es bei einer strengen Auswahl. Dafür kann bald ein zweiter Band folgen.

Doch nicht jede Veränderung führt zu einer besseren Welt. Auf die Erfindung der Atombombe durch Robert Oppenheimer, der Wasse

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