Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2019
Revolution
Die Welt ist in der Krise. Ein Umbruch ist nötig. Nur welcher?
Der Inhalt:

Müde vom Krieg – und plötzlich Hoffnung

von Elisa Rheinheimer-Chabbi vom 11.01.2019
Die Welt war 2018 von Kriegen und Gewalt geprägt. Doch es gibt auch mutmachende Beispiele für Versöhnung

Wenn zwei Menschen sich umarmen, ist das eine schöne Geste, aber kein Grund für Journalisten, darüber zu berichten. Im Juli vergangenen Jahres war das anders. Die Umarmung zwischen Abiy Ahmed, Premierminister von Äthiopien, und Issaias Afwerki, Machthaber Eritreas, ließ Menschen in Freudentränen ausbrechen. Sie läutete einen beispiellosen Friedensprozess zwischen den beiden ostafrikanischen Ländern ein, die seit 1998 verfeindet waren. Rund hunderttausend Menschen waren im Krieg zwischen Äthiopien und Eritrea gestorben. Laut Experten war der Friedensschluss 2018 vergleichbar mit dem Fall der Berliner Mauer: so überraschend, so weitreichend, so hoffnungsfroh. Eine Umarmung, die einem Wunder glich – und doch von der Welt zunächst kaum beachtet wurde. Denn sie ereignete sich just als das Finale der Fußball-WM übertragen wurde.

Äthiopiens Premier Abiy war erst im März angetreten und macht sich seitdem daran, sein Land zu reformieren. Der muslimische Politiker ernannte eine Frau zur Staatspräsidentin, präsentierte im Oktober ein neues Kabinett, das zur Hälfte aus Frauen besteht – und erklärte, ein Waffenstillstandsabkommen mit Eritrea bedingungslos zu akzeptieren. Im Sommer 2018 unterzeichneten die Regierungschefs beider Länder eine »Gemeinsame Erklärung des Friedens und der Freundschaft«. Diplomatische Beziehungen wurden wieder aufgenommen, Botschaften und Grenzen geöffnet, Flugverbindungen eingerichtet. Familien, die sich in all der Zeit nicht gesehen hatten, lagen sich in den Armen. »In Eritrea blüht der Handel seit Öffnung der Grenzen und die Versorgung der Menschen ist viel besser«, sagt der politische Analyst Asfa-Wossen Asserate.

Aus einem anderen Teil der Welt blieb ein Bild der Versöhnung vielen Menschen im Gedächtnis: Der Handschlag zwischen Südkoreas Präsident Moon Jae-in und Nordkoreas Diktator Kim Jong-un. Auf Jahrzehnte der Feindschaft folgte 2018 ein Jahr voll kleiner und großer Höhepunkte: Im Januar trafen sich zum ersten Mal seit 2015 Vertreter der beiden verfeindeten Länder. Im April wurde eine Telefonleitung zwischen den beiden Präsidenten eingerichtet – die erste seit der Teilung Koreas. Kurz darauf trafen sich die Staatsführer persönlich und beschlossen, »ein permanentes Friedensregime auf der koreanischen Halbinsel zu etablieren«. Es bleibt nicht bei leeren Worten: Im September wird das erste gemeinsame Verbindungsbüro im nordkoreanischen Kaesong eröffnet. Familientreffen

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen