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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2019
Revolution
Die Welt ist in der Krise. Ein Umbruch ist nötig. Nur welcher?
Der Inhalt:

Dienstags ... im
Landeskriminalamt: »Wenn’s gefährlich wird, sind wir dran«

Warten auf Alarm: Begegnung mit dem Bombenentschärfer Alfred Müller im Landeskriminalamt in Wiesbaden

Es gibt Menschen, die haben einen Händedruck, der einen fast in die Knie zwingt. Alfred Müller gehört zu ihnen. Ein Bär von einem Mann, groß, mit breiten Schultern und freundlichem Lächeln. Der 58-Jährige ist die Ruhe selbst. Das muss er in seinem Beruf auch sein: Alfred Müller, gelernter Elektriker, ist Bombenentschärfer.

An einem Dienstagvormittag sitzt er in der Kaffeeküche des Fachbereichs 622, »Sprengtechnik und Entschärfung«, im Hessischen Landeskriminalamt (HLKA). Müller leitet die Abteilung. Sie sind zu acht im Team – Männer unter sich. Tag und Nacht hat jemand Bereitschaft, 365 Tage im Jahr. »Wenn ich am Wochenende oder nachts dran bin, hoffe ich bei jedem Handyklingeln, dass ich nicht rausmuss«, sagt der vierfache Vater, »denn das klingelt meist in den unmöglichsten Situationen.«

Zu etwa dreihundert Einsätzen in ganz Hessen werden die Entschärfer jedes Jahr gerufen; in rund 65 Prozent aller Fälle sind Explosivstoffe im Spiel. Vor wenigen Tagen ist Müller rausgefahren nach Bad Schwalbach. Dort hatte jemand einen handgranatenähnlichen Gegenstand gefunden. »Es war eine völlig ölverschmierte Metallmasse«, erzählt Müller. Also ist er mit einem Kollegen ausgerückt, Bohrmaschine, Kabelschneider, Fernsteuerung im Gepäck. Der Gegenstand entpuppte sich schließlich als Druckausgleichsbehälter eines Citroen.

Das Landeskriminalamt Wiesbaden – Müllers Arbeitsplatz – sieht aus wie jede andere Behörde: Lange Flure, graubeige Böden, ab und an eine Kaffeeküche. Es könnte auch das Finanzamt sein. Oder der Sitz einer Krankenkasse. Lediglich einige Bilder an der Wand, zum Beispiel von Flugabwehrkanonen, deuten darauf hin: Das sind die weit verzweigten Räumlichkeiten der obersten Polizeibehörde Hessens. Und die Verbotsschilder: »Zutritt für Unbefugte nicht gestattet«. Ansonsten wirkt alles herzlich unaufgeregt. Christoph Schulte, Leiter der Pressestelle, sagt schmunzelnd: »Tja, wie im ›Tatort‹ läuft das hier nicht ab. Wenn der Tatort realistisch wäre und all der Bürokram darin vorkäme, der zu bewältigen ist, würde ihn keiner sehen wollen.«

Diese Sachlichkeit! Eigentlich enttäuschend. Doch Schulte schwärmt vom kriminaltechnischen Institut der Behörde, das bundesweit bekannt sei für seine DNA-Analytik-Spezialisten. Ob man da wohl mal reinschauen kann? Fehlanzeige. Dann erzählt Schulte von den Beamt

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