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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2012
2012: Wir steigern das Bruttosozialglück
Umbau der Wirtschaft
Der Inhalt:

Die junge Rebellion

von Gerhard Dilger vom 04.05.2012
Bildung ist in Chile zur kapitalistischen Geschäftemacherei geworden. Schüler und Studierende kämpfen für Gerechtigkeit

Chile befindet sich in einem Aufbruch wie seit Jahrzehnten nicht mehr: Ein halbes Jahr lang zogen jede Woche Zehn-, oft auch Hunderttausende für ein gutes öffentliches und kostenloses Bildungswesen auf die Straße. Die Jugend des südamerikanischen 17-Millionen-Landes wehrt sich gegen ihre schlechten Zukunftschancen und fordert ein Ende des Neoliberalismus. Denn seit der Pinochet-Diktatur herrscht in der Bildung kapitalistische Geschäftemacherei.

Bekanntestes Gesicht der Schüler- und Studentenbewegung Chiles ist die junge Kommunistin Camila Vallejo. Medien haben die eloquente Geografiestudentin (Publik-Forum 17/11) zur Gegenspielerin von Sebastián Piñera aufgebaut, dem Milliardär und rechtsliberalen Staatspräsidenten. Im Dezember wurde Vallejo zur »Chilenin des Jahres« gekürt. Doch die eigentliche Kraft der Bewegung kommt von unten.

Als Zentrum des Widerstandes gilt das Hauptgebäude der Universidad de Chile, das einen Straßenblock auf der Alameda ausmacht, der Prachtallee der Hauptstadt Santiago. Ein schwarzes Transparent zierte den riesigen gelben Bau fast über die ganze Breite: »Es ist der Kampf der ganzen Gesellschaft – Alle für kostenlose Bildung!« Im Juni besetzten Demonstranten den Bau. Davor fand mancher Polizeieinsatz mit Tränengas und Massenfestnahmen statt. Drinnen nächtigten Studenten im Ehrensaal, den sie in »Revolutions-Saal« umtauften.

Einen Kilometer weiter östlich, im ebenso imposanten Hauptgebäude der Päpstlich-Katholischen Universität von Chile, ging es ruhiger zu. Hier herrschte normaler Unterrichtsbetrieb. Aufrührerische Plakate sucht man vergebens, dafür gibt es Wandbilder von Johannes Paul II. Der Papst besuchte 1987 Chile, gegen Ende des blutigen Militärregimes von Augusto Pinochet (1973-1990). In einem der begrünten Innenhöfe steht ein Denkmal dieses Papstes.

Doch hinter der gediegenen Fassade brodelte es auch hier. Giorgio Jackson, der zweitprominenteste Studentensprecher Chiles, stammt von hier. In Fernsehrunden trat er ebenso souverän wie Camila Vallejo auf. Die Stellung in der Studentenvertretung hielt dieweil Pedro Pablo Glatz, einer seiner Stellvertreter. Knapp, mit 52 Prozent, habe ihre linksliberale Liste die Uni-Wahlen gewonnen, erzählt der 23-jährige Jurastudent. An seinem eigenen juristischen Fachbereich kam sie nur auf drei

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