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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2012
2012: Wir steigern das Bruttosozialglück
Umbau der Wirtschaft
Der Inhalt:

»Wenn man will, geht es auch«

von Barbara Brüning vom 04.05.2012
Statt auf den vermeintlich richtigen Zeitpunkt zu warten, trauen sich immer mehr angehende Akademiker und Akademikerinnen, Kinder zu bekommen – schon während des Studiums

Als Ann-Kathrin und Georg Pokorny sich kennenlernten, waren beide noch mitten im Studium. Bald war klar, dass sie zusammenbleiben wollten. Und dass sie Kinder haben wollten. »Den richtigen Zeitpunkt gibt es doch eigentlich gar nicht«, sagten sie sich. Und: »Wenn man will, dann geht es auch.« Da waren sich die beiden einig. Und offensichtlich wollte Leonie auch, die dann schon bald geboren wurde.

Heute ist Leonie fünf und hat noch einen kleinen Bruder. Ann-Kathrin ist mit dem Medizinstudium fertig und arbeitet als Assistenzärztin an der Uni-Klinik in Frankfurt am Main. Zurzeit ist sie in Elternzeit – und schreibt an ihrer Doktorarbeit. Leonie war schon mit einem Jahr in der Krabbelstube. »Es war nicht so schwer, einen Platz zu finden damals«, erinnert sich Ann-Kathrin, »denn ich war noch nicht verheiratet und Studentin. Da wird man bevorzugt behandelt.« Natürlich sind die Studienzeiten nicht unbedingt mit den Öffnungszeiten der Kitas kompatibel. Aber mit einem Partner, der ebenfalls studiert, ließ sich das immer durch Absprachen organisieren.

Mutig, die beiden – bekommen Kinder, obwohl sie noch gar nicht wissen, wo sie beruflich unterkommen werden. Vor zwanzig Jahren musste man rüstige und gutwillige Eltern im Hintergrund haben oder vielleicht eine WG mit Kindern, um das organisatorisch hinzukriegen. Kinderbetreuung an der Uni gab es kaum. Viele Kindergärten schlossen schon mittags. In der Folge blieben viele Akademikerinnen ohne Kinder. Denn das Warten, bis endlich alles unter Dach und Fach ist, kann dauern. Befristete Anstellungen, Lehraufträge – und wann genau ist sicher, dass es auch sicher bleiben wird?

Wer beides will – Kind und Studium, Kind und Karriere –, hat es auch heute noch schwer. Carola Lowitz fing mit dem Studium an, als ihre Tochter schon geboren war. Sie hatte sich gerade von dem Vater der Kleinen getrennt und wusste: »Ich muss das Studium auf die Reihe kriegen, sonst bleiben mir nur Hartz IV oder irgendwelche Aushilfsjobs.«

Hochmotiviert, wie sie war, ergatterte sie gleich drei Studienplätze an den begehrten Universitäten für Film und Fernsehen. Allerdings ließ sich an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg, wo sie am liebsten studiert hätte, ein Studium mit Kind nicht hinkriegen. Bei dem Auswahlgespräch saß sie vor einer Kommission von Männern um die fünfzig und einer Frau, die

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