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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2011
Basteln am Selbst
Immer mehr Menschen wollen sich optimieren - um jeden Preis
Der Inhalt:

Viele Ideen, noch kein Plan

von Barbara Brüning vom 27.04.2011
»Wegen der Liebe« hat Agnieszka Malinowska ihren Beruf und ihre Heimat aufgegeben. Jetzt besucht sie einen Integrationskurs

So. Ich komme gerade vom Putzen. Jetzt habe ich kurz Zeit, dann muss ich nach Hause und für meine Tochter und meinen Mann Essen machen, mit dem Hund raus und dann noch schnell ein paar Hausaufgaben machen für heute Abend. Da gehe ich wieder zum Integrationskurs. Dreimal in der Woche immer abends, weil ich ja tagsüber arbeite und mich um meine Tochter und den Haushalt kümmern muss. Manchmal ist das ganz schön hart, wenn man abends erst um elf nach Hause kommt und am nächsten Tag wieder früh raus muss. Wie man da noch Vokabeln und Grammatik lernen soll, weiß ich manchmal nicht. Aber im Abendkurs geht es uns ja allen so. Und das verbindet uns auch.

Ich gehe sehr gerne da hin und habe den Eindruck, dass es den anderen genauso geht. Weil ich aus Polen komme, einem EU-Land, müsste ich eigentlich nicht an einem Integrationskurs teilnehmen. Aber wenn es noch Plätze gibt, geht es trotzdem. Für mich ist das eine sehr gute Gelegenheit, die Sprache zu lernen und viele wichtige Dinge über Deutschland zu erfahren. Wir sind zwölf Teilnehmer und kommen alle aus unterschiedlichen Ländern. Deshalb müssen wir Deutsch miteinander sprechen. Es ist richtig exotisch, so viele Nationalitäten: Spanien, Indonesien, Pakistan, Iran. Das gefällt mir. Die meisten brauchen noch mehr Hilfe als ich, und unser Lehrer ist sehr hilfsbereit: Er erklärt uns, wie man eine Wohnung sucht, welche Ämter für was zuständig sind, wo man ein Telefon anmeldet und solche Sachen.

Weil mein Mann schon lange in Deutschland lebt, musste ich mich um so etwas nicht kümmern. Ich bin aber erst seit zwei Jahren hier. Daran sieht man schon, dass es mir nicht ganz leicht gefallen ist, meine Heimat zu verlassen. Wir haben eine zwölfjährige Tochter. Und eigentlich bin ich der Meinung, dass eine Familie zusammenleben sollte. Trotzdem hat es lange gedauert, bis ich mich wirklich dazu entschlossen habe.

Das liegt auch daran, dass ich in Polen einen sehr schönen Beruf hatte, mit dem ich sehr zufrieden war. Ich habe mit Jugendlichen und Erwachsenen gearbeitet, die nach einer Straftat im Gefängnis waren und dann entlassen wurden. Ich habe sie in ihrer ersten Zeit begleitet. Musste darauf achten, dass sie ihre Auflagen einhalten, zum Beispiel keinen Alkohol zu trinken oder sich eine Arbeit zu suchen. Und überhaupt, ihnen helfen, wieder ein normales Leben zu führen.

Mir war klar, auf was ich mich einlasse, a

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