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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2011
Basteln am Selbst
Immer mehr Menschen wollen sich optimieren - um jeden Preis
Der Inhalt:

Basteln am Selbst

von Andrea Teupke vom 27.04.2011
Schneller, besser, authentischer: Immer mehr Menschen wollen sich optimieren. Denn angeblich ist jeder seines Glückes Schmied. Doch diese Verheißung kann auch eine Drohung sein

Wenn das Telefon klingelt, muss Nina Schäfer überlegen, wer sie gerade ist. Ein kurzer Blick aufs Display sagt ihr dann, wen ihr Anrufer sprechen möchte: »Nina Schäfer, Blattwerk«, »Nina Schäfer, Yoga-Easy« oder »Nina Schäfer, Projekt- und Organisationsmanagement«. Die junge Frau ist Unternehmerin. Ihre Dienstleistung: Sie nimmt anderen Unternehmen Sekretariatsaufgaben ab. Erledigt Reisekostenabrechnungen, beantwortet Anrufe, organisiert Termine. Ihr Büro liegt im Media Center mitten in Hamburg. In dem Glasbau residieren 110 Start-ups. Kleine Unternehmen, die Namen tragen wie effective minds, Greenwork oder Nexxt Level. Hier gehen junge Menschen mit kantigen Brillen Tätigkeiten nach, von denen ihre Eltern vermutlich nicht einmal wissen, dass sich damit Geld verdienen lässt: entwickeln ein Onlineportal für Yogatraining; programmieren Redaktionssysteme für Internetauftritte; vertreiben Fotovoltaikanlagen oder optimieren »zielgruppenspezifische Kommunikationsstrategien«.

Wer hier als Unternehmensgründer bestehen will, braucht mehr als »nur einen Gewerbeschein«, sagt Nina Schäfer. Muss bereit sein, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen. An sich und für seinen Erfolg arbeiten. Schneller, kreativer und flexibler sein als die Konkurrenz. Die Jungunternehmerin hat es nicht anders gewollt: Schon als sie noch Angestellte war, besuchte sie Zeitmanagement-Seminare, um effizienter zu werden. Später ließ sie sich coachen, um für die Selbstständigkeit gerüstet zu sein. Kürzlich hat sie noch einen Kurs belegt zum Thema »Marketing in Sozialen Netzwerken«.

»Natürlich kann man das alles auch aus Büchern lernen«, sagt Nina Schäfer, »aber warum soll ich alleine laufen?« Mit Begleitung lerne es sich effektiver, findet sie. Und mit Hilfestellung mache die Selbstoptimierung auch mehr Spaß. Zu dieser Erkenntnis gelangten nicht nur Firmengründer, beobachtet sie: »Bei Leuten, die vernünftig sind, ist mittlerweile angekommen, dass das effektiv ist und auch Spaß bringt.«

Effektiv: Das ist das Schlüsselwort. Schließlich ist die Arbeit am eigenen Selbst kein Selbstzweck, sondern Investition. Es geht darum, die eigene Arbeitskraft zu steigern. Sich selbst als Marke zu entwerfen. Die Angst, abgehängt zu werden, sitzt längst nicht nur Unternehmern im Nacken. Wenn möglichst viele Abteilungen als eigenständige »Profitcenter« organisiert werden, die Gewinn abwerfen solle

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