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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2011
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Der Inhalt:

Schottern mit Amos

von Selina Moll, Johannes Krug, Lukas Pellio vom 27.04.2011
Wider »ein Gesetz, das tötet«: Warum Theologinnen und Theologen im Wendland gegen die Castortransporte protestieren

Ein Netzwerk junger Theologinnen und Theologen begründet seinen Widerstand gegen die Castortransporte im Wendland, der auch das umstrittene Schottern einschließt, mit Verweis auf den alttestamentlichen Propheten Amos. Der machte vermutlich zwischen 760 und 750 vor Christus im Norden des Königreichs Juda mit sozialkritischen Auftritten von sich reden. Wir stellen den Text der Theologinnen und Theologen hiermit zur Diskussion.

Aufwachen mit eiskalten Füßen, Scheinwerfer der Polizeikräfte, die das Camp ausleuchten, Zusammenrücken an den Feuertonnen: Eindrücke aus den frühen Morgenstunden am Sonntag, den 7. November 2010. Dann das Signal zum Aufbruch. Ein Zug von ungefähr 2000 Menschen macht sich auf den Weg. Er führt über Waldwege, durch Unterholz und an Äckern vorbei. Die idyllische Situation im Morgengrauen wirkt beinahe surreal. Einige Zeit später schlägt sie in harte Realität um. Schwer bewaffnete Polizistinnen und Polizisten und zielstrebige Demonstrierende stehen sich vor den Gleisen im Wendland gegenüber.

Mittendrin ist auch Amos. Amos, der biblische Prophet, der für ein Beharren auf Gerechtigkeit steht und scharfe Kritik an Ausbeutungsverhältnissen übt. Amos ist auch der Name unserer Bezugsgruppe. In solche Bezugsgruppen haben sich die Demonstrierenden jeweils zu sechst eingeteilt, um in den verschiedenen Widerstandsaktionen handlungsfähiger zu sein und sich gegenseitig emotional und praktisch zu unterstützen.

Wir haben beschlossen, als Gruppe von Theologinnen und Theologen am Widerstand gegen den Castortransport in Form der Aktion »Castor? Schottern!» teilzunehmen und diesen Akt des zivilen Ungehorsams fortwährend theologisch zu durchdenken. Wir stellen uns aus denselben Gründen quer wie viele Tausend andere Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der »5. Jahreszeit im Wendland« auch.

Wir tun das, weil die Fortführung der Kernenergie ein Verbrechen an der Umwelt ist und an den Generationen nach uns, die sich mit dem giftigen Abfall herumschlagen müssen; weil sie eine Ungerechtigkeit an den Arbeiterinnen und Arbeitern in den Uranminen darstellt und an den Menschen, die an Leukämie sterben, weil sie zu nahe an einem Kraftwerk leben; weil dem Weiterbetrieb von Atomkraftwerken menschenfeindliche Kapitalinteressen und vielfältige globale Ausbeutungsverhältnisse zugrunde liegen, wenn zum Beispiel europäischer Atommüll plötzlich an der Küste Somali

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