Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2011
Basteln am Selbst
Immer mehr Menschen wollen sich optimieren - um jeden Preis
Der Inhalt:

»Moralisch zweifelhaft«

von Teresa Schneider vom 27.04.2011
Welche Folgen haben die Enthüllungen durch Wikileaks? Fragen an den Medienethiker Alexander Filipovic

Julian Assange, der Sprecher von Wikileaks, ist überzeugt, dass die Erde durch die Veröffentlichungen der Enthüllungsplattform »ein besserer Ort« wird. Stimmt das?

Alexander Filipovic: Ich glaube, dass die Welt durch mehr Transparenz und Öffentlichkeit besser wird, aber ich glaube nicht, dass sich die Welt durch Wikileaks verbessert.

Warum?

Filipovic: Ich schätze die grundsätzliche Idee von Wikileaks: Es ist gut, wenn politisches Handeln transparent ist. Die Bürgerinnen und Bürger sollten immer mehr über ihren Staat wissen als der Staat über die Bürger. Wie Wikileaks diese Informationen der Öffentlichkeit zugänglich macht, halte ich jedoch für falsch: Die geheimen Dokumente werden – auf nicht immer legalem Weg – beschafft und ganz ohne Kommentar und ohne Abwägung der Folgen veröffentlicht.

Was halten Sie daran für bedenklich?

Filipovic: Wikileaks geht zu sorglos mit den sensiblen Informationen um: Der Vertrauensbruch, der durch Wikileaks entstanden ist, kann verantwortungsvolle Politik stark gefährden. In dem Moment, in dem jeder Angst hat, dass ein vertrauliches Gespräch an die Öffentlichkeit gelangt, werden viele politische Gespräche beeinträchtigt. In der Folge tauschen sich Politiker seltener offen aus und gehen dabei weniger in die Tiefe. Dabei wollen wir ja eigentlich, dass mehr geredet wird und in der Politik ein fortwährender Dialog stattfindet.

Könnte Wikileaks anstatt ein Hemmnis nicht auch ein Weg zu mehr Transparenz und damit Demokratie sein?

Filipovic:Vielleicht, aber an dieser Stelle muss man gut abwägen: Auf der einen Seite steht der Wunsch der Öffentlichkeit nach Transparenz und Offenheit. Auf der anderen Seite das legitime Interesse der Politik, bestimmte Dinge unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu tun. Auch in einer Demokratie haben Menschen kein uneingeschränktes Recht darauf, alles zu erfahren.

Dann benötigt Demokratie keinen absolut »gläsernen Staat«?

Filipovic: Das Ideal des gläsernen Staates ist ein sehr wichtiges Ideal und verdient es, auch mit den neuen Möglichkeiten des Internets verfolgt zu werden. Trotzdem denke ich, dass im politischen Alltag manche Prozesse auch hinte

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen