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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2011
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Der Inhalt:

Danke Wikileaks!

von Johan Galtung vom 27.04.2011
Die Enthüllungsplattform offenbart, was sich in der Diplomatie ändern muss. Ein Zwischenruf

Die Welle von veröffentlichten Enthüllungen durch Wikileaks sind eine einzige Anklage: nicht nur gegen die Diplomatie der USA, sondern gegen die gesamte etablierte Diplomatie. Was ist das für eine lächerliche Sprache, die in diesen geheimen Dokumenten zu lesen ist? Stets zentriert auf Einzelpersonen als Akteure – meist Angehörige der Eliten aus elitären Ländern. So ganz eine Sprache, die aus Boulevardmedien stammen könnte. Das alles gehört eigentlich in die Kategorie »unausgegorener Tratsch und Klatsch«, als eine Sorte von Macht-»Analysen« aus ritualisierten Halbstarken-Milieus.

Wo bleibt da die Analyse der Kultur und der Strukturen, etwas viel Wichtigeres als die einzelner Personen, die kommen und gehen? In keinem der Dokumente sieht man etwas davon. Wo sind die zukunftsweisenden Ideen? Ideen, wie man die Herausforderungen des Klimawandels in Kooperation zum gemeinsamen Nutzen umsetzen könnte? Wo sind zum Beispiel Ansätze zur Trinkwassergewinnung über Solarenergie an den Grenzen zwischen Israel, Libanon und Palästina? Oder Vorschläge für eine konstruktive Kooperation zwischen den USA und dem Iran zum Ausbau alternativer Energiequellen in der Region?

Um in einer anarchistischen Welt die Interessen zwischen einzelnen Nationen auszugleichen, haben Staaten ein System geschaffen, das offenbar versagt hat. Das zeigt sich an den zahlreichen Kriegen, die es hervorgebracht hat. Das System zerfällt augenscheinlich immer mehr – genauso, wie zuvor der Kolonialismus zerbrochen ist und eigentlich nur noch im US-Imperialismus überlebt hat, der nun ebenfalls immer schwächer wird.

Im Gegensatz dazu haben die nationalistischen Tendenzen Aufwind. Eine Nation ist eine Gruppe von Personen mit einer gemeinsamen Sprache, Kultur und Religion. Dazu gehört auch eine Geschichte, eine Vision für eine gemeinsame Zukunft und ein Bekenntnis zur »Heimat«. Es gibt auf der Welt ungefähr 2000 Nationen und nur 200 Staaten. Das bedeutet, dass die Mehrzahl der Staaten viele Nationen beherbergt, normalerweise angeführt von einer Leitnation. Der nun stark zunehmende Nationalismus bietet ganz sicher keine guten Lösungen für die Weltprobleme.

Der Artikel 28 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte garantiert das Recht auf Leben in heimischen und weltweiten Strukturen, welche die Verwirklichung der Menschenrechte ermöglic

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