Zur mobilen Webseite zurückkehren

Wir oder die Politik – wer verändert die Welt?

von Wolfgang Kessler vom 31.03.2015
Auf diese schwierige Frage geben derzeit viele eine klare Antwort. Und genau das ist das Problem. Kesslers Kolumne
Wer verändert die Welt? Der Einzelne oder die Politik? Die Energiewende in Deutschland begann jedenfalls erst so richtig mit einem Gesetz, nämlich dem über erneuerbare Energien. Damit wurde aus Nischenprodukten – wie Solardächern – ein Boom. (Foto: pa/Westend61/Wojciech)
Wer verändert die Welt? Der Einzelne oder die Politik? Die Energiewende in Deutschland begann jedenfalls erst so richtig mit einem Gesetz, nämlich dem über erneuerbare Energien. Damit wurde aus Nischenprodukten – wie Solardächern – ein Boom. (Foto: pa/Westend61/Wojciech)

Die Welt zu einem besseren Platz machen, das wünschen sich derzeit viele. An der Frage, wer dies tun soll, scheiden sich seit Jahren die Geister: Die einen fordern eine andere Politik, die anderen setzen auf die einzelnen Menschen.

Derzeit allerdings scheint die Sache klar: Auf die Politik setzt so gut wie niemand. »Die Politiker machen nur noch, was die Wirtschaft will«, lautet die erste Wortmeldung nach einem meiner Vorträge. Fast einmütige Zustimmung.

Die Hoffnung: Wenn alle anders leben, wird alles gut

Statt dessen sollen es die einzelnen Menschen richten: Wenn alle fair einkaufen, den Banken ihr Geld wegnehmen, sich um ihre Nächsten kümmern, vegan essen, Autos nur noch leihen, ihre Geräte reparieren statt neue kaufen – dann geht es gerechter, umweltfreundlicher, demokratischer zu auf der Welt. Und dann brauchen wir auch keine Politik: Ganz in diesem Sinne diskutierten mehr als 3000 größtenteils junge Leute im vergangenen September bei der Degrowth-Konferenz in Leipzig über praktische Alternativen zur kapitalistischen Wachstumsgesellschaft.

Die Erfahrung: Das Scheitern der 68er

Das Vertrauen in das Veränderungspotenzial der Menschen ist erfreulich. Allerdings speist sich dieses Vertrauen vor allem aus Enttäuschungen über wirkungslos verpuffte Visionen und politischen Opportunismus. Wie schwer politische Veränderungen sind, das erlebten schon die rebellierenden Studenten von 1968. Sie wollten einst durch die Institutionen marschieren, um diese von innen zu verändern. Doch dann stellte sich heraus, dass viele neue Ideen in den Fängen des Parlamentarismus hängen blieben oder im Kampf der

PFplus

Weiterlesen mit Publik-Forum Plus:

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für »Publik-Forum«-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen