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Publik-Forum, Heft 2/2020
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Potsdam will mehr Flüchtlinge

von Ulrike Scheffer vom 20.02.2020
Der Oberbürgermeister der ostdeutschen Landeshauptstadt führt ein Bündnis flüchtlingsfreundlicher Kommunen an - und hat damit sogar eine Wahl gewonnen
Städtebündnis für Flüchtlinge: In 120 Kommunen in Deutschland setzen sich, wie hier in Köln, engagierte Bürger für Menschen ein, die aus Seenot gerettet wurden(Foto: Seebrücke Köln)
Städtebündnis für Flüchtlinge: In 120 Kommunen in Deutschland setzen sich, wie hier in Köln, engagierte Bürger für Menschen ein, die aus Seenot gerettet wurden(Foto: Seebrücke Köln)

Wenn sich eine ostdeutsche Stadt bereit erklärt, freiwillig Flüchtlinge aufzunehmen, dann ist das schon bemerkenswert. Wenn Berichte darüber von Zeitungslesern mit Lobes- und Dankeskommentaren an den Oberbürgermeister dieser Stadt versehen werden, lässt das erst recht aufhorchen. Was läuft hier anders als anderswo im Osten?

Die Stadt, um die es geht, ist die brandenburgische Landeshauptstadt Potsdam, der Oberbürgermeister (OB) dort heißt Mike Schubert. Seit November 2018 residiert der 46-jährige SPD-Politiker, der auch in Potsdam aufgewachsen ist, in der wilhelminischen Trutzburg unweit des Tors zur Altstadt, die das Rathaus beherbergt. Sein Büro hat der OB mit hellgrauen Designermöbeln ausgestattet, an der Wand hat er einen riesigen Bildschirm installieren lassen, der für multimediale Präsentationen genutzt wird. Abgehoben wirkt Schubert aber nicht. Der Vater zweier Kinder war sogar mal ganz unten, mit Anfang Zwanzig musste er nach einer gescheiterten Selbstständigkeit Sozialhilfe beantragen. Er ist eher der Typ »Ärmel hochkrempeln und anpacken«. Seine Winterjacke hat er griffbereit über den Schreibtischstuhl gehängt, als müsse er allzeit einsatzbereit sein – so wie 2015 während der Flüchtlingskrise, als er im brandenburgischen Innenministerium die Unterbringung von Geflüchteten organisierte und dabei »in so mancher Nacht- und Nebelaktion nach neuen Unterkünften suchen musste«, wie er sagt.

Weltoffenes Potsdam

Die Zeit damals und sein freiwilliger Einsatz als Reservist der Bundeswehr im Kosovo Anfang der Nullerjahre bezeichnet Schubert als prägend, was seine Einstellung zu Flüchtlingen angeht. »Nach den Terroranschlägen 2001 in den USA hatte ich das Gefühl, dass wir

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