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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 23/2015
Mission Weltrettung
Was die Religionen zum Klimaschutz beitragen können
Der Inhalt:

Weg mit den Hartz-IV-Sanktionen?

vom 05.12.2015
In den vergangenen zwölf Monaten haben die Jobcenter mehr als eine Million Sanktionen gegen Empfänger von Arbeitslosengeld II ausgesprochen. Die Strafen sollen Langzeitarbeitslose zur Arbeit motivieren. Betroffene dagegen fühlen sich unwürdig behandelt. Sollten die Sanktionen abgeschafft werden? Ein Pro und Contra. Wie ist Ihre Meinung?
Weg mit den Hartz-IV-Sanktionen? Zwei Politologen sind darüber uneins. Kerstin Gundt (links) sagt: Ja! Matthias Zimmer (rechts) sagt: Nein! (Fotos: www.kerstin-gundt.de; www.matthias-zimmer.de )
Weg mit den Hartz-IV-Sanktionen? Zwei Politologen sind darüber uneins. Kerstin Gundt (links) sagt: Ja! Matthias Zimmer (rechts) sagt: Nein! (Fotos: www.kerstin-gundt.de; www.matthias-zimmer.de )

Kerstin Gundt: »Ja, schafft die Sanktionen ab, denn sie machen krank«

»Fast die Hälfte der Sanktionen wird wegen Meldeversäumnissen ausgesprochen oder wegen abgelehnter Jobangebote. Dabei muss man bedenken, dass die Termine oft extra so gelegt werden, dass die Leute sie nicht wahrnehmen können. Viele trauen sich auch gar nicht mehr dorthin. Für andere sind die Termine reine Zeitverschwendung, denn es ist längst alles gesagt. Und: Welchen Sinn macht ein Termin oder eine Sanktion, wenn man den Menschen doch sowieso keinen Job anbieten kann? Die Vermittlungsquote liegt nur bei zehn Prozent. Zudem kann man nicht erwarten, dass Leute eine befristete Tätigkeit annehmen, von der sie nicht leben können. Zumal wenn sie nicht ihren Wünschen und Qualifikationen entspricht.

So mancher erfahrene Beobachter weist inzwischen darauf hin, dass ein regelrechtes Mobbing gegen Arbeitslose betrieben werde, um sie aus dem Leistungsbezug rauszuekeln. Viele Arbeitsangebote würden nur gemacht, um sanktionieren zu können.

Dies ist umso schlimmer, wenn man bedenkt, dass viele Arbeitslose chronisch krank sind oder durch die dauerhafte Erwerbslosigkeit krank werden. Zwangsarbeit und Sanktionen stellen für diesen Personenkreis ein hohes Gesundheitsrisiko dar, das niemand verantworten kann.

Experten wie der erfahrene Richter Jens Petermann sagen deshalb klar: Wenn man die Menschen motivieren will zu arbeiten, bräuchten sie positive Anreize und eine Arbeit, die sich lohnt. Arbeitslose

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Kommentare
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Dr. C.J. Ganter
06.12.201509:25
In einem hat Zimmer recht: Wir sollten kein "bedingungsloses Grundeinkommen durch die Hintertür einführen" - sondern durch die Vordertür !
Dass Missbrauch den Fiskus viele Millionen jährlich kostet, liegt nicht in in erster Linie an den sozial Schwachen, sondern v.a. an Steuerhinterziehung (Hoeneß & Co.), an Fehlplanung und Verschwendung öffentlicher Mittel (Flughafen BER & Co.). Der faktische Anteil des Sozialmissbrauchs durch die Unterpriviliegierten dürfte im Promillebereich liegen und das Geld, das ausgegeben wird, um diese Facette des Missbrauchs zu bekämpfen, ist eine zusätzliche Steuerverschwendung.