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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 23/2015
Mission Weltrettung
Was die Religionen zum Klimaschutz beitragen können
Der Inhalt:

Sprayer gegen rechts

von Thomas Seiterich vom 04.12.2015
Aufgefallen: Er hat Nazi-Schmierereien getilgt und wurde zu Schadenersatz verurteilt. Doch damit findet sich der Lehrer und Sozialpädagoge Ralf Bender nicht ab

Ralf Bender ist kein Mann, der furchtsam wegschaut. Schon gar nicht, wenn braune Hass-Symbole in seiner Stadt auftauchen. Bender, Lehrer in der kleinen hessischen Bischofsstadt Limburg, muss 991,55 Euro an die Stadt Limburg zahlen – denn so viel koste die Tilgung von Schäden, die er durch sein Übersprühen von rassistischen und Nazi-Symbolen an Straßenschildern verursacht hat. So urteilte das Limburger Amtsgericht. Seither herrscht Empörung über diesen Spruch, denn er ist für viele Bürger unverständlich und nicht akzeptabel.

Auf die Idee, ausländerfeindliche und Nazi-Symbole zu tilgen, kam Bender durch eine ZDF-Dienstagsreportage in der Reihe 37 Grad. Darin wurde berichtet, wie in der Kleinstadt Zossen in Brandenburg die Polizei die Bürger bittet, braune Schmierereien sofort zu beseitigen. Bender sagt: »Erst kommt das Wort, dann der Mord.«

Der Limburger Streit hat eine Vorgeschichte. Sie könnte vielerorts in Deutschland spielen: Von Zeit zu Zeit tauchen an Wänden und Straßenschildern Aufkleber mit nazistischen, fremdenfeindlichen oder antisemitischen Inhalten auf. Die braunen Symbole und hetzerischen Sprüche hängen oft auf Blickhöhe, wo Kinder und Jugendliche unterwegs sind, zum Beispiel vor Schulen.

Die Täter wurden in Limburg nicht gefasst, wohl aber Bender. Ein Zeuge zeigte den 53-Jährigen an, als Bender Hass-Aufkleber mühsam abkratzte oder, wo das Entfernen nicht möglich war, mit schwarzer Farbe übersprühte. Mehrfach hatte der Lehrer das Ordnungsamt darauf hingewiesen, die »widerlichen Sprüche und Zeichen unverzüglich entfernen zu lassen. Doch lange«, so erzählt Bender, sei nichts geschehen. Er berichtet beispielsweise von einem Hakenkreuz an einem Strommast nahe dem Schafsberg, an dem am 26. Januar 2014 die Besucher der Feierstunde am Holocaust-Gedenktag auf dem Limburger Judenfriedhof vorbeigehen mussten. Erst nach sechs Wochen habe die Stadt das Nazi-Symbol beseitigt. »Weil nichts geschah, habe ich es einige Male mit einem weißen Blatt Papier überklebt«, berichtet Bender, »doch leider flog das immer wieder weg.«

Schließlich sah er Gefahr im Verzug und schritt zur Selbsthilfe. Die erste Forderung, die die Stadtverwaltung der traditionellen CDU-Hochburg Limburg ihm sandte, betrug 3278 Euro. Dagegen wehrte sich Bender erfolgreich. Auch die knapp eintausend Euro, die das Amtsgericht nun festsetzte, wil

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