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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 23/2015
Mission Weltrettung
Was die Religionen zum Klimaschutz beitragen können
Der Inhalt:

Was ist im Jemen los?

von Elisa Rheinheimer-Chabbi vom 04.12.2015
Nachgefragt: Julien Harneis von Unicef berichtet aus Sanaa über einen vergessenen Krieg

Publik-Forum: Unicef warnt, im Jemen seien mehr als eine halbe Million Kleinkinder von Unterernährung bedroht. Wie konnte es so weit kommen – weitgehend unbemerkt von der Weltöffentlichkeit?

Julien Harneis: Die Lage ist katastrophal hier, das Gesundheitssystem ist weitgehend zusammengebrochen. Rund achtzig Prozent der jemenitischen Bevölkerung sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Wir schätzen, dass bis Ende des Jahres circa 9500 Kinder im Jemen gestorben sein werden, weil sie keinen Zugang zu Medikamenten oder einer Behandlung haben. Durch den Krieg sind schon Tausende ums Leben gekommen. Aber auch die indirekten Kriegsfolgen wie die schwere Unterernährung sind alarmierend. 1,8 Millionen Kinder im Jemen könnten einfach verhungern. Das ist in der westlichen Welt kaum bekannt, weil es so gut wie keine Journalisten hier gibt. Der Jemen taucht in europäischen Medien nicht auf – im Gegensatz zu arabischen Medien, wo er eine große Rolle spielt.

Was fehlt am nötigsten?

Harneis: Frieden. Dieser Krieg wird von Gruppen geführt, die nur einen kleinen Teil der Bevölkerung ausmachen. Die überwältigende Mehrheit im Jemen will nichts mit dem Krieg zu tun haben, sie sehnt sich nach einem normalen Leben, in dem die Kinder wieder zur Schule gehen können. Momentan ist fast jede Schule geschlossen, entweder weil sie zerbombt wurde oder weil dort Flüchtlinge Unterschlupf finden. Es fehlt an allem: Trinkwasser, Nahrungsmittel, Treibstoff für Generatoren, Medikamente.

Weil der Import zusammengebrochen ist?

Harneis: Auch das, ja. Medikamente wurden schon vor dem Krieg auf Schiffen ins Land gebracht. Aber das ist jetzt gefährlich und die Kosten sind in die Höhe geschnellt. Da sagen viele Länder und Firmen: Wir können das nicht mehr machen.

Was gibt Ihnen Hoffnung?

Harneis: Ich bin tief beeindruckt von den Jemeniten. Sie tun alles, um einander zu helfen. Gerade komme ich zurück von einem Wasserprojekt. Trotz der Luftangriffe bemühen sich die lokalen Wasserbehörden darum, Wasser bereitzustellen.

Der Präsident des Internationalen Roten Kreuzes, Peter Maurer, sagt: »Nach fünf Monaten Bürgerkrieg sieht es im Jemen schlimmer aus als nach fünf Jahren Krieg in Syrien.« Teilen Si

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