Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 3/2018
Was ist der Mensch wert?
Der Preis des Lebens und die Würde des Menschen
Der Inhalt:

Was ist der Mensch wert?

von Bettina Röder vom 08.02.2018
Warum erhielten die Angehörigen eines Börsenmaklers nach den Anschlägen vom 11. September 6 Millionen Dollar Entschädigung, jene eines Polizisten nur 850.000 Dollar? Ein Essay über den Preis und die Würde des Lebens. Die Titelgeschichte in der neuen Ausgabe von Publik-Forum
Kann man den Wert eines Menschen beziffern? Sicher nicht, und doch tun sich bei dieser Frage Abgründe auf: wenn Hinterbliebene von Anschlagsopfern unterschiedlich entschädigt werden, wenn man die großen Gehaltsunterschiede in der Wirtschaft betrachtet oder wenn man sieht, dass auch in Europa Menschen als Sklaven leben (Foto: istockphoto/SolStock)
Kann man den Wert eines Menschen beziffern? Sicher nicht, und doch tun sich bei dieser Frage Abgründe auf: wenn Hinterbliebene von Anschlagsopfern unterschiedlich entschädigt werden, wenn man die großen Gehaltsunterschiede in der Wirtschaft betrachtet oder wenn man sieht, dass auch in Europa Menschen als Sklaven leben (Foto: istockphoto/SolStock)

Es ist eine unglaubliche Geschichte. Nun wird sie als Dokumentarfilm auch hierzulande gezeigt. Es geht um die Entschädigung der Opfer der Terroranschläge vom 11. September 2001 in New York und Washington. Es geht um nichts Geringeres als darum, was ein Leben wert ist.

Einem einzigen Menschen hatte die Regierung von George W. Bush diese Aufgabe übertragen: dem Anwalt und Mediator Kenneth Feinberg. Ihm standen sieben Milliarden Dollar für insgesamt 5562 Personen zur Verfügung. Er sprach täglich mit Witwen, deren Männer bei der Feuerwehr gewesen waren, mit Angehörigen von Börsenmaklern und mit Eltern von Menschen, die ohne Papiere nach New York gezogen waren, für andere geputzt und gekellnert hatten.

Dann begann Feinberg zu rechnen. Und tat dies nach festen Kriterien: Er fragte, wie hoch der wirtschaftliche Schaden war, der durch den Tod des Menschen entstanden ist, wie alt das Opfer war, wie lange es möglicherweise noch gearbeitet hätte, wie hoch sein Einkommen war. Nach drei Jahren war die Arbeit erledigt, die Feinberg als »härtesten Job seiner Laufbahn« bezeichnet hatte und die er wohl auch nicht wieder machen würde.

Dürfen Chefs sechzig mal mehr als ihre Angestellten verdienen?

Das Ergebnis ist ebenso fragwürdig wie irritierend: Für einen Mann ohne Papiere bekamen die Angehörigen 250.000 Dollar. Für einen Kellner fielen 500.000 Dollar ab. Für einen Polizisten 850.000, für einen Börsenmakler mal 2 Millionen, mal sechs Millionen Dollar. »Playing God« – Gott spielen, heißt der Film, der nun in die Kinos kommt. Über seine Berechnungen hat Feinberg später ein Buch geschrieben und darin gesagt, dass er zu Gott bete, dass niemand wieder eine solche Ro

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen