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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 3/2018
Was ist der Mensch wert?
Der Preis des Lebens und die Würde des Menschen
Der Inhalt:

Seitenwechsel

von Katrin Schreiter vom 09.02.2018
Lars Nienstedt, Justiziar bei den Stadtwerken Hannover, hat für eine Woche in einer Einrichtung für Demenzkranke gearbeitet. Eine Erfahrung, die bis heute nachwirkt

Ob er Berührungsängste hatte? Lars Nienstedt überlegt kurz. »Natürlich«, erinnert sich der 46-Jährige. »Vielleicht trifft es aber das Wort ›Respekt‹ besser«, sagt er. »Demenzkranke sind ja meist in ihrem Wesen verändert und verhalten sich anders als andere. Ich wollte sie nach und nach kennenlernen.«

Vom Schreibtisch im Unternehmen in die soziale Einrichtung: Normalerweise klärt Lars Nienstedt als Justiziar bei den Stadtwerken enercity Hannover rechtliche Sachverhalte. Doch dann entschließt er sich, bei Altera mitzumachen. Das Fortbildungsangebot des Diakonischen Werkes Hannover gibt Führungskräften die Möglichkeit, in einer sozialen Einrichtung mitzuwirken. Es ist ein in Niedersachsen einmaliges Projekt.

Nienstedt wechselt für eine Woche die Seite und arbeitet im Pflegezentrum Haus am Leuchtturm: Dort nimmt er sich für die Demenzkranken Zeit, spaziert mit ihnen durch den Garten, liest mit ihnen Zeitung, spielt mit ihnen Mensch-ärgere-dich-nicht, hört ihnen zu. Ein Seitenwechsel, der bis heute nachwirkt.

»Ich habe mir diese Einrichtung bewusst ausgesucht«, erklärt der aus dem niedersächsischen Laatzen stammende Jurist, »weil ich schon als Zivildienstleistender in einer gerontopsychiatrischen Einrichtung gearbeitet habe. Mich hat interessiert, ob sich auf diesem Gebiet viel verändert hat.«

Mittlerweile sei der Mensch mit seinem Krankheitsbild viel stärker ins Zentrum gerückt, vergleicht Nienstedt damals und heute. Doch der Umgang mit den Demenzkranken sei weiterhin eine besondere Herausforderung geblieben – sowohl für Angehörige als auch für das Pflegepersonal.

»Die Erfahrung, die ich früher gemacht habe, hat mir im Haus am Leuchtturm sehr geholfen«, erzählt der aufgeschlossene Mann. »Ich wusste, dass es auch immer wieder schwierige Situationen geben kann, in denen man nicht genau weiß, warum ein Bewohner von einer Sekunde auf die andere so untypisch, manchmal verärgert reagiert.«

Aber es gebe auch schöne Momente. »Ein Professor, der früher viel zu internationalen Kongressen gefahren ist, hat mich eines Morgens am Frühstückstisch auf Englisch begrüßt«, erinnert sich Nienstedt an eine Begebenheit. »Ich habe auf Englisch geantwortet – und plötzlich war der Mann hellwach, hat sich gef

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