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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2020
»Die Zeit läuft uns weg«
Ein Gespräch mit Georg Bätzing
Der Inhalt:

Völkermord auf der Bühne

von Constanze Bandowski vom 04.06.2020
»Hereroland« ist nicht nur ein Theaterstück über den Völkermord an den Herero. Die deutsch-namibische Koproduktion im Hamburger Thalia-Theater ermöglicht eine persönliche Begegnung mit diesem sehr dunklen Kapitel der deutschen Kolonialgeschichte
Theaterstück über den Kolonialismus: Die Inszenierung »Hereroland« am Thalia-Theater in Hamburg lässt die Zuschauer dieses dunkle Kapitel der deutschen Geschichte aktiv miterleben (Foto: Armin Smailovic/Thalia Theater)
Theaterstück über den Kolonialismus: Die Inszenierung »Hereroland« am Thalia-Theater in Hamburg lässt die Zuschauer dieses dunkle Kapitel der deutschen Geschichte aktiv miterleben (Foto: Armin Smailovic/Thalia Theater)

Hereroland« ist eine Herausforderung. Es ist nicht nur ein Theaterstück über den Völkermord an den Herero und Nama und dessen Folgen für das heutige Namibia – die deutsch-namibische Koproduktion, die im Januar am Hamburger Thalia-Theater uraufgeführt wurde, ermöglicht eine persönliche Begegnung mit einem sehr dunklen Kapitel deutscher Kolonialgeschichte.

Dass »Hereroland« keine herkömmliche Aufführung ist, wird gleich am Eingang klar, als ich meine Eintrittskarte abgeben soll. Das fühlt sich schon befremdlich an. Ich komme mir irgendwie entblößt vor. Stattdessen erhalte ich ein großes Blatt Papier, darauf ein Plan mit 19 Orten, eine Gebrauchsanweisung für die kommenden zwei Stunden sowie mein ganz persönlicher Weg durch die Inszenierung. Parcours Nr. 081 sieht fünfzehn Stationen vor, an denen ich mich jeweils fünf Minuten aufhalten soll. Immer wenn das Herero-Horn ertönt, soll ich weitergehen. Mit klammem Herzen betrete ich das Theater.

Die Stille raubt mir den Atem. Fast niemand spricht, obwohl der Raum voller Menschen ist. Alle versuchen, sich anhand ihrer Pläne zu orientieren. Kein Lachen, nur bleierne Schwere und das Rascheln von Papier. Pärchen gehen getrennt, Fremde begegnen sich, eine Frau flüstert mir zu, ob ich wüsste, wo die »Woermanntafel« sei.

Ich habe keine Ahnung, ich wusste nicht einmal, dass der Hamburger Kaufmann und Reeder Adolph Woermann während der Kolonialzeit ein Riesengeschäft auf Kosten der afrikanischen Bevölkerung gemacht hatte, nicht nur mit Kolonialwaren wie Palmöl, Kautschuk, Kaffee oder Kakao und dem Verkauf von billigem Alkohol an die einheimische Bevölkerung. Erst hier im Theater erfahre ich, dass die Woermann-Linie au

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