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Publik-Forum, Heft 24/2015
Friede auf Erden!
Navid Kermani über die Macht der Feindesliebe und das Geheimnis Gottes
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Sammler der verlorenen Klänge

von Elisa Rheinheimer-Chabbi vom 17.12.2015
Der amerikanische Punk-Rocker Jason Hamacher hat in Syrien alte christliche und muslimische Gesänge aufgenommen. Es entstand ein einzigartiges Ton-Dokument
Schlagzeuger Jason Hamacher reiste zwischen 2006 und 2010 immer wieder nach Syrien, um Aufnahmen von uralten syrischen Gesängen zu machen. Sie wurden bislang mündlich von Generation zu Generation weitergegeben (Foto: Hamacher/lostorigins.com)
Schlagzeuger Jason Hamacher reiste zwischen 2006 und 2010 immer wieder nach Syrien, um Aufnahmen von uralten syrischen Gesängen zu machen. Sie wurden bislang mündlich von Generation zu Generation weitergegeben (Foto: Hamacher/lostorigins.com)

Jason Hamacher hat einen kahlrasierten Schädel. Auf den Oberarm hat er sich die Zitadelle von Aleppo tätowieren lassen. Wenn er lächelt, erkennt man in seinem Gesicht den kleinen Jungen, der er einmal war. Hamacher ist Schlagzeuger. Seine Musik klingt laut, wild, unmelodisch – dass ausgerechnet er uralte christliche Gesänge aus Syrien aufgenommen hat, ist schwer vorstellbar.

Von 2006 bis 2010 reiste der US-Amerikaner immer wieder nach Syrien, um dort Aufnahmen von orthodoxen Gesängen zu machen, die auf das Jahr 190 zurückgehen. Er hatte Glück – im April 2011 brach der Krieg aus. Hamacher ist vermutlich der Letzte, der ein Archiv aus Tonaufnahmen, Fotos und Videos zusammenstellte, das Syrien so zeigt, wie es einmal war. »Ich hoffe, dass Menschen unterschiedlicher Religionen und auch Menschen, die gar nicht glauben, sich hinsetzen und einfach nur zuhören«, sagt Hamacher. »Das ist ein Kulturgut. Ein Stück ursprünglicher, fast verlorener Tradition.«

Die Lieder wurden bislang mündlich weitergegeben

Die Aktion begann mit einem Missverständnis. Er und seine Band waren auf der Suche nach neuen Musikformen, als ihn ein Freund anrief und sagte: »Ich habe interessante serbische Gesänge entdeckt.« »Syrische Gesänge, cool«, antwortete Hamacher, der ihn falsch verstanden hatte. Dann brach die Telefonverbindung ab. Doch Syrien hatte sich in seinem Kopf festgesetzt, und 2006 reiste er das erste Mal dorthin. »Die große Gastfreundschaft hat mich sehr berührt. Es war überwältigend, wie selbstverständlich mich die Menschen in ihr Leben aufgenommen haben«, erzählt er heute.

Die christlichen Gesänge hörte Hamacher zum ersten Mal in der syrisch-orthodoxen St.-Georgs-K

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