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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2015
Friede auf Erden!
Navid Kermani über die Macht der Feindesliebe und das Geheimnis Gottes
Der Inhalt:

Ein Segel über den Tod hinaus

von Anne Strotmann vom 18.12.2015
Benita Joswig war als Künstlerin und Theologin eine Grenzgängerin. Drei Jahre nach ihrem Tod veröffentlichen ihre Freundinnen nun Briefe, einen Kunstkalender und einen Film

Die Liebe ist stärker als der Tod: Das sagen Christen immer mit solcher Überzeugung. Aber was heißt das denn? Eine Ahnung davon bekam man in Münster bei einer Tagung der Europäischen Gesellschaft für theologische Forschung von Frauen. Benita Joswig, Künstlerin und Theologin, ist am 2. Oktober 2012 gestorben. An diesem Abend im November 2015 war sie trotzdem unter den anderen Frauen im Raum, spürbar anwesend. Selbst für diejenigen, die sie nicht kennengelernt hatten. Für ihre Freundinnen sowieso. Benitas Kunst durchflutete den Raum. Die Frauen lasen aus Briefen und Texten, hielten liebevoll ein angefangenes Gespräch aufrecht. Benita Joswig schrieb regelmäßig E-Mails an ihre Freundinnen und Freunde. Die Serie ihrer elektronischen Briefe beginnt 2010, als sie wegen geschwollener Lymphknoten zum Arzt ging – später die Diagnose: Krebs –, und endet mit ihrem Tod 2012. »Es ist einfach eine Runde zu früh«, gibt sie ehrlich zu. »Aber ist es nicht auch ein Geschenk, so bewusst alles mitbekommen zu dürfen?!«

Im nun erschienenen Buch »Wortflügel« sind diese Briefe, die sich zwischen Alltag und Theologie bewegen, für jeden zu lesen. Das hat sich Benita Joswig gewünscht. »Wir hatten auch den Eindruck, dass sie manche Texte nicht nur für uns geschrieben hat«, sagt Bärbel Fünfsinn. Mit Claudia Janssen und Teresa Roelcke gehört sie zu den Adressatinnen und Herausgeberinnen von »Wortflügel«. Sie haben die Briefe nur geringfügig bearbeitet und Ausschnitte aus Artikeln und Predigten sowie Gedichte aus ihren letzten zwei Lebensjahren eingefügt.

»Willst du leben?, fragt der Tod. Und in dieser Frage steckt das andere Land. Jede gesunde Zelle packt ihren Koffer.« Benita Joswig schildert, wie sie die Chemotherapie und die medizinische Behandlung erlebt. Sie setzt sich damit auseinander zu sterben. Dabei sprechen bei aller Ehrlichkeit aus den Zeilen tiefe Lebensfreude und das Gefühl, gehalten zu sein: von ihrem Mann, ihren Freunden, von Lebenden und Verstorbenen. Zwischen den Worten liegen Zeichnungen, die sie zusammen mit Barbara Bux, ihrem »Kumpel in der Kunst«, gemacht hat: »Ich fang an, und du zeichnest hinein.«

Deutschlandweit hat Benita Joswig in zahlreichen Projekten Kunst, Theologie und Alltag verbunden. Eine moderne Gotteslehrerin, sagen ihre Freundinnen. In ihren letzten acht Lebensjahren hat sie vor allem Glasscheiben bemalt.

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