Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2012
Die Zeit des Gehorsams läuft ab
Nach dem Katholikentag
Der Inhalt:

Mystik: Das Unzerstörbare in uns

von Hans Torwesten vom 14.06.2012
Wie Gottvertrauen und Grundvertrauen wieder zusammenkommen können - und daraus die wahre Gottesliebe erwachsen kann
Im Grunde wissen wir sehr gut, woher wir kommen und wer wir sind. Aber dieses verborgene Wissen müssen wir ins helle Bewusstsein heben (Foto: photocase/snazz)
Im Grunde wissen wir sehr gut, woher wir kommen und wer wir sind. Aber dieses verborgene Wissen müssen wir ins helle Bewusstsein heben (Foto: photocase/snazz)

Für den gewöhnlichen Christen gehören Gottvertrauen und Grundvertrauen zusammen. Er fühlt sich getragen und beschützt von einem persönlichen Gott, den er »Vater« nennt und in den er absolutes Vertrauen setzt.

Im Licht der Mystik - vor allem der Mystik Meister Eckharts und östlicher Formen der Meditation - scheinen Gottvertrauen und Grundvertrauen jedoch auseinanderzudriften. Es zeigt sich, dass das herkömmliche christliche Gottvertrauen stark von einem Gefühl der Abhängigkeit begleitet wird. Gott hat uns Menschen nach traditioneller christlicher Lehre aus dem Nichts erschaffen; zöge er seine mächtige Schöpferhand zurück, würden wir augenblicklich wieder zu Nichts werden. Deshalb müssen wir wie der ertrinkende Petrus Gott häufig, vor allem in brenzligen Lebenssituationen, die Hände entgegenstrecken und rufen: »Herr, rette mich! Ich gehe zugrunde!«

Mystiker glauben nicht unbedingt an einen persönlichen Schöpfergott

Radikale Mystiker wie Eckhart oder ein Zen-Meister haben nichts dagegen, dass der Mensch »zu Grunde« geht - ja, sie fordern den Menschen geradezu auf, sich nicht immer nur von einem äußeren Gott oder Messias »retten« zu lassen, sondern endlich den Grund seiner Existenz zu finden.

Und dieser »Grund« ist nicht unbedingt ein persönlicher Schöpfergott. Eckhart behauptet sogar, dass dieser persönliche Gott im überpersönlichen Grund verschwindet. »Wenn ich in den Grund, in den Boden, in den Strom und in die Quelle der Gottheit komme«, sagt Eckhart, »so fragt mich niemand, woher ich komme oder wo ich gewesen sei. Dort hat mich niemand vermisst, dort entwird Gott.«

Nach der traditionellen Lehre müsste ich auf die Frage, was denn mein Grund und mein eigentliches »Herkunftsland« sei, ehrlicherweise antworten: das Nichts

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen