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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2017
»Überall schwindet das Vertrauen«
Norbert Lammert über Medien, Demokratie und Kirche
Der Inhalt:

Leidenschaft pur

von Fabian Vogt vom 11.06.2017
Manchmal wünschte ich mir, nach den sonntäglichen Gottesdiensten stünden Umfrageteams vor den Kirchentüren, die den Herausströmenden (oder Herauströpfelnden) eine einzige Frage stellten: »Was fällt Ihnen spontan zu dem ein, was Sie da gerade erlebt haben?« Wann würde da wohl jemand zum ersten Mal das Wort »Leidenschaft« nennen? Ja, Leidenschaft! – Die Kolumne von Fabian Vogt
Auf Trommeln, Becken, Pauken hauen: Das zeigt echte Leidenschaft im Gottesdienst! (Foto: fotolia/glebshabashnyi)
Auf Trommeln, Becken, Pauken hauen: Das zeigt echte Leidenschaft im Gottesdienst! (Foto: fotolia/glebshabashnyi)

Wenn Glauben etwas ist, das Menschen zutiefst berührt, ihnen eine einzigartige befreiende Lebensperspektive schenkt und sie mit dem Schöpfer des Himmels und der Erde verbindet, dann sollte da doch eine gewisse Leidenschaft zu spüren sein, wenn man diesen Glauben feiert. Pure Leidenschaft sogar.

Ich fürchte allerdings: Davon merkt man in den meisten Gottesdiensten viel zu selten etwas. Ich sage es mal diplomatisch: In unseren Gottesdiensten herrscht in der Regel eine Fröhlichkeit, wie ... ja, wie man sie nirgends sonst findet. Da erlebt man eine Freude, die von ganz tief innen kommt. Und da leider auch bleibt. Man könnte diese spezielle Atmosphäre vielleicht sehr ehrlich als »heitere Melancholie« beschreiben, die gelegentlich bis an die »erlöste Depression« reicht.

So eine eher gebremste Leidenschaft scheint ein typisch deutsches Phänomen zu sein. In anderen Kulturen werden Gottesdienste seit Langem viel emotionaler gefeiert. Und das ohne theologische Einbußen. Im Gegenteil.

In diesem Zusammenhang: Haben Sie schon einmal einen Gottesdienst von Schwarzen erlebt? Also: nicht von Bayern, sondern von Menschen mit afrikanischen Wurzeln. Ich sag Ihnen: Wenn die so ihre Gospelgottesdienste feiern, dann wird da gelacht und geweint und getanzt und gejubelt. Da wird die Leidenschaft richtig spürbar.

Und weil die Gemeinde dann schon in Fahrt ist, feuert sie üblicherweise auch den Pfarrer beim Predigen an. Was ihm im Idealfall hilft, bis zum Ende durchzuhalten. Schließlich wird bei solchen Gottesdienstfesten ja gerne länger gepredigt. Da braucht der Pfarrer zur Kontrolle keine Uhr, sondern einen Kalender.

Wie dem auch sei ... wenn sich de

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