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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2016
In eurer Welt kann ich nicht sein
Warum Liah vor ihrer Familie flieht
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In eurer Welt kann ich nicht sein

von Christina Özlem Geisler vom 08.09.2016
Liah kann nicht bei ihren Eltern bleiben, denn das ist lebensgefährlich. Jetzt lebt die 16-Jährige in einer betreuten Wohngruppe. Und wird eine neue Identität annehmen. Die Titelgeschichte in der neuen Ausgabe von Publik-Forum
In einer therapeutischen Wohngruppe können Jugendliche, die in ihrer Familie Gewalt und Vernachlässigung erleben, Zuflucht finden (Foto: Zorn)
In einer therapeutischen Wohngruppe können Jugendliche, die in ihrer Familie Gewalt und Vernachlässigung erleben, Zuflucht finden (Foto: Zorn)

Ob ich irgendwann vergessen werde, wer ich einmal war?« Der Gedanke macht Liah Angst. Trotzdem sitzt sie jetzt in dem Beratungszimmer mit der Nummer 501 und sagt ganz nüchtern: »Ich will das auf jeden Fall machen. Egal, wohin es geht.«

Wohin es geht. Darum dreht sich das Gespräch bei der Frauenrechtsorganisation. Wenn Liah der Beraterin ihre Geschichte erzählt haben wird – die Geschichte, die sie schon so oft erzählen musste –, wenn auch die Beraterin sie als gefährdet ansieht und das Jugendamt zustimmt, dann wird Liah eine neue Identität annehmen. Sie wird alles Vertraute zurücklassen und an einen fremden Ort ziehen, an dem niemand sie kennt. Liah liebt ihre Eltern. Aber sie weiß, dass sie nicht zu ihnen zurückgehen kann. Bei ihnen zu sein ist lebensgefährlich.

Ein betreutes Zuhause auf Zeit

Ihren richtigen Namen hasst sie. Liah ist der Name, den sie sich selbst für diese Geschichte ausgesucht hat. Sie wirkt reifer als sechzehn, und wenn sie über sich selbst spricht, wirkt sie so distanziert, als würde sie über eine andere reden. »Rauszoomen« nennt sie das. Kommt der Teenie in ihr durch, kommentiert sie vieles mit »voll traurig« oder »voll süß«, mit langgezogenem »Ü«.

Seit sieben Monaten lebt Liah in einer »Therapeutischen Wohngruppe für Minderjährige in Gewalt- und Krisensituationen«. Sechs Mädchen zwischen 13 und 17 Jahren sind sie derzeit. Es sind Mädchen, deren Eltern ihnen Gewalt angetan haben oder es nicht geschafft haben, sie davor zu schützen. Manche Mädchen müssen so sehr beschützt werden, dass sie anonym hier sind. Um sie nicht zu gefährden, bleiben die Namen der Kleinstadt und der Einrichtung ungenannt.

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