Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 15/2020
Wem gehört Jesus?
Christen und Juden streiten um den Mann aus Nazareth
Der Inhalt:

Im Pixelland

vom 29.08.2020
Kolumne von Anne Lemhöfer: Im Coronajahr 2020 haben wir unsere Reise stornieren müssen. Stattdessen hüpfen wir mit einer virtuellen Brille über den Erdball. Nur, dass der Sand unter den Füßen fehlt.
Weltreise per Brille: Im Coronajahr 2020 fliegt die Kolumnistin mit einer virtuellen Brille über den Globus (Foto: Aleksandr Khakimullin / Alamy Stock Photo)
Weltreise per Brille: Im Coronajahr 2020 fliegt die Kolumnistin mit einer virtuellen Brille über den Globus (Foto: Aleksandr Khakimullin / Alamy Stock Photo)

Das Jahr 2020 hat keine Lobby. Niemand mag es, obwohl es erst zarte siebeneinhalb Monate alt ist. Aber klar, so geht es zu, wenn man, kaum dass die letzten Sektkorken geflogen sind, schon mit einer Pandemie um die Ecke kommt. 2020 haben wir vor allem viele Dinge nicht getan. Wir haben viele Menschen nicht oder viel zu selten gesehen. Wir sind lieber nicht ins Museum, lieber nicht zu oft ins Restaurant gegangen. Und wir haben unsere Reisen storniert. Jetzt, wo ich diese Kolumne schreibe, hätte ich eigentlich an Deck einer schwedischen Fähre zur dänischen Insel Bornholm stehen sollen. Stattdessen hocke ich daheim.

Meine Freundin Jule dagegen war gerade auf Borneo – zumindest in ihrem Kopf. Sie hat sich nämlich von ihren Kindern überreden lassen, eine »Virtual-Reality-Brille« zu kaufen, das ist so ein wuchtiges schwarzes Teil, mit dem man in 360-Grad-Computeranimationen eintauchen kann. Wenn Jule virtuell verreist, hängt sie an einem Kabel, fuchtelt wie irre mit den Armen und ruft unzusammenhängendes Zeugs. »Oh wow, wie krass, das geht voll tief runter da!« »Ein Tyrannosaurus, Hiiiiilfe!« »Wie komm ich denn hier wieder raus?« »Ahhhhh, ich falle!« »Dir zeig ich’s, Zombie!« Es ist ein bisschen peinlich, ihr dabei zuzuschauen. Ihre Schienbeine haben überall blaue Flecken, weil sie dauernd gegen ihren analogen Wohnzimmertisch stößt, während sie digitale Yaks in der Mongolei einfängt. Manchmal lässt sie mich auch mitmachen, da darf ich die Brille aufsetzen.

Und auf einmal bin ich im Urlaub. Ich sitze in einem blau gestrichenen Holzboot im Indischen Ozean und schaue zwei Männern beim Fischen zu. Neben mir springen Kinder kreischend ins Meer, hinter mir hängen Frauen vor einem Stelzenhaus bunte Wäsche a

PFplus

Weiterlesen mit Publik-Forum Plus:

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für »Publik-Forum«-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Kommentare
Ihr Kommentar
Noch 1000 Zeichen
Wenn Sie auf "Absenden" klicken, wird Ihr Kommentar ohne weitere Bestätigung an Publik-Forum.de verschickt. Sie erhalten per E-Mail nochmals eine Bestätigung. Der Kommentar wird veröffentlicht, sobald die Redaktion ihn freigeschaltet hat. Auch hierzu erhalten Sie ein E-Mail. Siehe dazu auch Datenschutzerklärung.

Mit Absenden des Kommentars stimmen Sie der Verarbeitung Ihrer Daten zur Bearbeitung des Kommentars zu. Zum Text Ihres Kommentars wird auch Ihr Name gespeichert und veröffentlicht. Die E-Mail-Adresse wird für die Bestätigung der Bearbeitung genutzt. Dieser Einwilligung können Sie jederzeit widersprechen. Senden Sie dazu eine E-Mail an [email protected].

Jeder Artikel kann vom Tag seiner Veröffentlichung an zwei Wochen lang kommentiert werden. Publik-Forum.de behält sich vor, beleidigende, rassistische oder aus anderen Gründen inakzeptabele Beiträge nicht zu publizieren. Siehe dazu auch Netiquette.